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Kraulen lernen Kurs

Kraulen lernen

Kraulen lernen als Erwachsener: Wissen, Gefühl und Rhythmus

Warum Erwachsene Kraulschwimmen anders lernen müssen als Kinder

Kraulen lernen Kurs

Eine meiner Standardfragen an angehende Triathleten und Schwimmer lautet:

Erklär mir, wie Kraulschwimmen funktioniert.

Die häufigste Antwort ist:

Ich kann kraulen, aber erklären kann ich es nicht.

Dann frage ich genauer nach:

  • Wo befindet sich der rechte Arm, wenn die linke Hand ins Wasser eintaucht?
  • Wie verläuft der Unterwasserzug?
  • Wann beginnt die Rückholbewegung?
  • Wann wird der Kopf zum Atmen gedreht?
  • In welchem Moment wird eingeatmet?
  • Wie arbeiten Arme, Beine und Atmung zusammen?

Spätestens dann merken viele, dass sie zwar irgendwie Kraul schwimmen, aber die Bewegung nicht wirklich verstanden haben.

Für gute Schwimmer, die bereits als Kinder gelernt haben, ist das oft kein Problem. Sie haben den Bewegungsablauf über viele Jahre intuitiv entwickelt.

Für erwachsene Anfänger funktioniert dieser Weg jedoch häufig nicht.

Wer als Erwachsener Kraulen lernen möchte, braucht zuerst ein klares Verständnis der Bewegung. Danach entstehen Bewegungsgefühl, Rhythmus und Sicherheit im Wasser.

Kraulen lernen mit dem Koyawa Online-Kraulkurs

Warum Erwachsene anders Kraulen lernen

Fast alle sehr guten Schwimmer haben bereits im Kindesalter mit dem Schwimmtraining begonnen.

Sie schwimmen regelmäßig in einer Gruppe, beobachten andere Kinder und erhalten immer wieder kurze Korrekturen vom Beckenrand:

  • Kopf tiefer
  • Ellbogen höher
  • früher atmen
  • länger ziehen
  • Beine ruhiger halten

Gleichzeitig sehen sie an der großen Schwimmbaduhr, ob sie schneller oder langsamer werden.

Über viele Trainingsstunden entsteht dadurch intuitiv ein Gefühl dafür, welche Bewegungen funktionieren.

Erwachsene Anfänger haben diese Lernjahre normalerweise nicht.

Sie steigen häufig direkt ins Wasser und versuchen, gleichzeitig:

  • nicht unterzugehen
  • richtig zu atmen
  • die Arme zu koordinieren
  • die Beine zu bewegen
  • nach vorne zu kommen
  • Anweisungen des Trainers umzusetzen

Das ist eine sehr komplexe Aufgabe.

Deshalb beginnt gutes Kraultraining für Erwachsene für mich nicht mit möglichst vielen geschwommenen Bahnen.

Es beginnt mit dem Verständnis der Bewegung.

Erst verstehen – dann trainieren

Kraulschwimmen ist eine technisch anspruchsvolle Sportart.

Je schneller und ökonomischer du schwimmen möchtest, desto genauer müssen die einzelnen Bewegungen zusammenpassen.

Du solltest verstehen:

  • wie deine Körperlage im Wasser aussieht
  • wie der Arm ins Wasser eintaucht
  • wie der Unterwasserzug verläuft
  • wie der Arm wieder nach vorne geführt wird
  • wann du den Kopf zum Atmen drehst
  • wie du unter Wasser ausatmest
  • welche Aufgabe der Beinschlag erfüllt
  • wie der gesamte Bewegungsrhythmus entsteht

Das bedeutet nicht, dass du vor der ersten Schwimmeinheit ein Lehrbuch auswendig lernen musst.

Aber du solltest eine klare Vorstellung davon haben, was du im Wasser eigentlich versuchst.

Wer eine Bewegung nicht versteht, kann sie nur schwer bewusst korrigieren.

Warum es manchmal besser ist, zunächst an Land zu üben

Viele Erwachsene möchten sofort ins Wasser.

Das ist verständlich. Schließlich soll Kraulschwimmen im Wasser stattfinden.

Trotzdem kann es sinnvoll sein, den Bewegungsablauf zunächst langsam an Land zu üben.

An Land kannst du dich vollständig auf die Bewegung konzentrieren. Du musst nicht gleichzeitig auf Wasserlage, Atmung und Vortrieb achten.

Ein einzelner Armzug darf am Anfang sehr langsam ausgeführt werden.

Vielleicht brauchst du zunächst eine halbe Minute oder länger für eine kontrollierte Bewegung. Das ist völlig in Ordnung.

Wichtig ist:

  • die Bewegung bewusst auszuführen
  • die Positionen zu verstehen
  • unnötige Spannung zu vermeiden
  • beide Arme einzeln zu üben
  • später beide Seiten miteinander zu verbinden

Erst wenn du die Bewegung kontrolliert ausführen kannst, solltest du sie schneller machen.

Schnelligkeit entsteht nicht dadurch, dass du eine unbekannte Bewegung hektisch ausführst.

Sie entsteht aus einer kontrollierten Bewegung, die mit der Zeit immer sicherer wird.

Wasserlage: Du musst nicht gegen das Wasser kämpfen

Viele Anfänger haben das Gefühl, sie würden im Wasser sofort absinken.

Darauf reagieren sie mit hektischen Arm- und Beinbewegungen.

Je mehr sie kämpfen, desto mehr Energie verbrauchen sie. Gleichzeitig verschlechtert sich häufig die Wasserlage.

Dabei können die meisten Menschen mit relativ wenig Kraft stabil im Wasser liegen.

Eine gute Ausgangsposition ist:

  • Körper lang ausgestreckt
  • Kopf ruhig im Wasser
  • Blick schräg nach unten
  • Nacken entspannt
  • Arme nach vorne
  • Hüfte möglichst nahe an der Wasseroberfläche

Ein leichter Beinschlag kann die Position zusätzlich stabilisieren.

Das Ziel ist nicht, dich mit Gewalt über Wasser zu halten.

Du möchtest lernen, den Auftrieb zu nutzen und dich möglichst ruhig durch das Wasser zu bewegen.

Ein Stück Holz lässt sich mit wenig Kraft über das Wasser ziehen. Eine schwere Kugel muss dagegen mit viel Kraft bewegt werden.

Viele Anfänger sind grundsätzlich eher das Holzstück. Durch hektische und unkontrollierte Bewegungen fühlen sie sich jedoch wie eine schwere Kugel.

Der Beinschlag als Grundlage

Beim Kraulenlernen kann es sinnvoll sein, zunächst den Beinschlag zu üben.

Der Beinschlag sollte:

  • aus der Hüfte entstehen
  • relativ klein bleiben
  • die Beine lang halten
  • die Füße locker lassen
  • die Wasserlage stabilisieren
  • den Armzug möglichst wenig behindern

Für Anfänger können Flossen hilfreich sein.

Sie erleichtern den Vortrieb und geben mehr Zeit, sich auf Körperlage und Rhythmus zu konzentrieren.

Eine mögliche Übung ist:

  1. Flossen anziehen
  2. mit Schnorchel schwimmen
  3. Arme nach vorne strecken
  4. nur den Beinschlag ausführen
  5. möglichst ruhig und gleichmäßig bleiben

Wenn das mit Flossen funktioniert, kann dieselbe Übung später ohne Flossen durchgeführt werden.

Für viele Triathleten ist der Beinschlag weniger für den maximalen Vortrieb als für Rhythmus, Stabilität und eine gute Körperposition wichtig.

Der Pullbuoy kann das Lernen vereinfachen

Ein Pullbuoy zwischen den Beinen nimmt einen Teil der Unsicherheit aus der Wasserlage.

Dadurch kann sich der Anfänger stärker auf Armzug, Atmung und Rhythmus konzentrieren.

Gerade für Triathleten, die zunächst mit Neoprenanzug schwimmen möchten, kann das hilfreich sein. Der Neoprenanzug verbessert später ebenfalls den Auftrieb der Beine.

Der Pullbuoy soll den Beinschlag jedoch nicht dauerhaft ersetzen.

Er ist ein Hilfsmittel, das eine komplexe Bewegung zunächst vereinfacht.

Das Grundprinzip lautet:

Eine Schwierigkeit nach der anderen lösen.

Nicht alles gleichzeitig.

Der Armzug muss kontrolliert gelernt werden

Beim Armzug geht es nicht nur darum, den Arm irgendwie nach hinten zu bewegen.

Wichtig sind mehrere Phasen:

  • kontrolliertes Eintauchen der Hand
  • Streckung nach vorne
  • Aufbau eines wirksamen Wasserwiderstands
  • Zug- und Druckphase unter dem Körper
  • entspannte Rückholbewegung
  • Vorbereitung auf den nächsten Zug

Am Anfang sollte jeder Arm einzeln geübt werden.

Erst wenn du beide Seiten kontrollieren kannst, werden die Bewegungen miteinander verbunden.

Dabei entsteht nach und nach ein muskuläres Gefühl.

Du musst dann nicht mehr über jede einzelne Position nachdenken. Die Bewegung wird vertrauter und beginnt, flüssiger zu werden.

Rhythmus ist wichtiger als Kraft

Viele Anfänger versuchen, durch mehr Kraft schneller zu schwimmen.

Doch Kraulschwimmen funktioniert nicht wie das Ziehen eines schweren Gegenstands.

Entscheidend ist ein fließender Rhythmus.

Arme, Beine, Körperrotation und Atmung müssen zeitlich zusammenpassen.

Wenn der Rhythmus stimmt, fühlt sich die Bewegung ruhiger an. Du kannst langsamer schwimmen, ohne sofort abzusinken oder die Kontrolle zu verlieren.

Für mich gilt deshalb:

Nur wer sehr ruhig und langsam kraulen kann, beherrscht die Bewegung wirklich.

Schnell schwimmen und dabei technische Fehler mit Kraft überdecken können viele.

Langsam, kontrolliert und entspannt zu schwimmen ist häufig deutlich schwieriger.

Warum die Atmung so viele Probleme verursacht

Das Atmen ist für viele Erwachsene der schwierigste Teil des Kraulschwimmens.

Dabei ist die Grundbewegung einfach:

  • den Kopf ruhig zur Seite drehen
  • über Wasser einatmen
  • den Kopf wieder zurückdrehen
  • unter Wasser kontinuierlich ausatmen

Schwierig wird die Atmung durch das richtige Timing.

Viele Anfänger denken ausschließlich an das Luftholen. Dadurch verändern sie:

  • den Armzug
  • die Kopfposition
  • die Körperrotation
  • den Rhythmus
  • die Geschwindigkeit

Manche halten unter Wasser die Luft an und versuchen dann, gleichzeitig aus- und einzuatmen.

Andere heben den Kopf nach vorne an, wodurch die Beine absinken.

Das Ziel ist, die Atmung in den bestehenden Bewegungsablauf einzubauen, ohne den Rhythmus zu zerstören.

Zuerst unter Wasser ausatmen

Ein häufiger Anfängerfehler ist das Luftanhalten.

Wenn du unter Wasser die Luft anhältst, musst du beim Drehen des Kopfes zunächst ausatmen. Dadurch bleibt kaum Zeit zum Einatmen.

Besser ist:

  • ruhig und gleichmäßig unter Wasser ausatmen
  • den Kopf nur seitlich drehen
  • kurz und entspannt einatmen
  • den Kopf wieder ins Wasser zurückführen

Die Einatmung ist kurz.

Die Ausatmung unter Wasser dauert deutlich länger.

Diese Grundtechnik kann zunächst am Beckenrand geübt werden:

  1. Gesicht ins Wasser legen
  2. langsam ausatmen
  3. Kopf zur Seite drehen
  4. ruhig einatmen
  5. Kopf wieder ins Wasser legen

Erst danach wird die Bewegung mit dem Armzug verbunden.

Ein Schnorchel schafft Zeit zum Lernen

Ein Frontschnorchel kann beim Kraulenlernen sehr hilfreich sein.

Er ermöglicht es, den Kopf ruhig im Wasser zu lassen und trotzdem zu atmen.

Dadurch kannst du dich zunächst vollständig konzentrieren auf:

  • Wasserlage
  • Armzug
  • Bewegungsrichtung
  • Körperspannung
  • Rhythmus

Die normale seitliche Atmung wird erst später hinzugefügt.

Das ist kein Ausweichen vor dem eigentlichen Problem.

Es ist eine sinnvolle Vereinfachung.

Wer versucht, Wasserlage, Armzug, Beinschlag, Rhythmus und Atmung gleichzeitig zu lernen, ist schnell überfordert.

Der Schnorchel reduziert die Zahl der gleichzeitigen Aufgaben.

Atmung und Armzug verbinden

Wenn Wasserlage und Armzug sicherer werden, kann die seitliche Atmung eingebaut werden.

Eine mögliche Reihenfolge ist:

  1. Atmung am Beckenrand üben
  2. unter Wasser ausatmen
  3. Kopf ruhig zur Seite drehen
  4. mit einem einzelnen Armzug verbinden
  5. beim richtigen Zeitpunkt einatmen
  6. Kopf wieder ruhig ins Wasser führen
  7. später beide Arme im vollständigen Rhythmus verbinden

Der Kopf sollte nicht unabhängig von der restlichen Bewegung gedreht werden.

Die Atmung entsteht gemeinsam mit der Körperrotation und der Rückholbewegung des Arms.

Je weniger du den Kopf anhebst, desto stabiler bleibt deine Wasserlage.

Langsam lernen heißt später schneller schwimmen

Viele Erwachsene führen neue Bewegungen sofort zu schnell aus.

Dann übernimmt der Körper alte Muster. Die Bewegung wird unkontrolliert und Fehler werden ständig wiederholt.

Unser Gehirn braucht Zeit, um neue Bewegungen zu verstehen und zu automatisieren.

Deshalb sollten neue Übungen zunächst sehr langsam ausgeführt werden.

Das kann sich am Anfang ungewohnt oder sogar langweilig anfühlen.

Doch jede saubere Wiederholung hilft dabei, ein neues Bewegungsmuster aufzubauen.

Nach vielen Wiederholungen entsteht:

  • Sicherheit
  • Bewegungsgefühl
  • Rhythmus
  • Vertrauen
  • zunehmende Automatisierung

Erst dann sollte die Geschwindigkeit erhöht werden.

Warum viele Erwachsene jahrelang schwimmen, ohne besser zu werden

Viele Anfänger beginnen sofort mit klassischem Schwimmtraining.

Sie schwimmen:

  • 25 Meter
  • 50 Meter
  • 100 Meter
  • längere Serien
  • immer mehr Gesamtmeter

Das Problem ist:

Wenn die grundlegende Bewegung nicht stimmt, werden mit jedem Meter auch die Fehler wiederholt.

Der Athlet trainiert dann nicht nur Ausdauer.

Er trainiert gleichzeitig ein ungünstiges Bewegungsmuster.

Nach Monaten oder Jahren ist dieses Muster stark automatisiert. Eine Veränderung wird dadurch schwieriger.

Deshalb gilt:

Erst Kraulschwimmen lernen – danach Kraulschwimmen trainieren.

Training automatisiert das, was du bereits machst.

Darum sollte die Bewegung möglichst sauber sein, bevor der Umfang deutlich erhöht wird.

Kann man eine falsche Technik später noch verändern?

Ja.

Auch Erwachsene, die bereits lange mit einer ungünstigen Technik schwimmen, können ihre Bewegung verbessern.

Dafür braucht es jedoch:

  • Geduld
  • klare Erklärungen
  • langsame Übungen
  • häufige Wiederholungen
  • Konzentration
  • regelmäßige Rückmeldungen
  • die Bereitschaft, zunächst langsamer zu schwimmen

Das ist psychologisch nicht immer einfach.

Wer bereits 1.000 oder 2.000 Meter schwimmen kann, möchte ungern wieder sehr einfache Übungen machen.

Doch manchmal ist genau dieser Schritt notwendig.

Du musst das alte Bewegungsmuster kurz verlassen, um ein besseres aufzubauen.

Wie schnell kann ein Erwachsener Kraulen lernen?

Eine schwimmfähige Person kann die Grundidee des Kraulschwimmens häufig relativ schnell verstehen.

In einem kompakten Kurs können innerhalb von etwa 90 Minuten bereits wichtige Grundlagen vermittelt werden:

  • theoretisches Verständnis
  • Wasserlage
  • Beinschlag
  • Armzug
  • Rhythmus
  • Atmung
  • Zusammenspiel der Bewegungen

Das bedeutet jedoch nicht, dass die Technik nach 90 Minuten vollständig beherrscht wird.

Der Teilnehmer hat danach ein Grundgerüst.

Jeder einzelne Teil muss anschließend weiter geübt und stabilisiert werden.

Manche lernen erste zusammenhängende Bahnen sehr schnell. Andere benötigen mehr Zeit, besonders wenn Unsicherheit im Wasser, eingeschränkte Beweglichkeit oder ungünstige Bewegungsmuster vorhanden sind.

Entscheidend ist nicht, wer nach der ersten Einheit am schnellsten schwimmt.

Entscheidend ist, wer die Grundlagen langfristig sauber entwickelt.

Die vier Grundlagen meiner Lernmethode

Meine Methode zum Kraulenlernen für Erwachsene lässt sich auf vier Begriffe reduzieren:

Wissen

Du solltest verstehen, was bei der Bewegung passiert.

Gefühl

Du entwickelst nach und nach ein muskuläres Gefühl für Wasserlage, Zug und Körperspannung.

Rhythmus

Die einzelnen Bewegungen werden zu einem fließenden Ablauf verbunden.

Geduld

Du gibst deinem Körper und deinem Gehirn ausreichend Zeit, die Bewegung zu lernen.

Erst danach folgt der nächste Schritt:

Training.

Häufige Fehler beim Kraulenlernen

Typische Fehler erwachsener Anfänger sind:

  • zu früh zu viele Meter schwimmen
  • Bewegungen zu schnell ausführen
  • unter Wasser die Luft anhalten
  • den Kopf beim Atmen anheben
  • hektisch mit den Beinen schlagen
  • mit zu viel Kraft schwimmen
  • ausschließlich auf Geschwindigkeit achten
  • zu viele technische Punkte gleichzeitig verändern
  • Übungen machen, ohne ihren Zweck zu verstehen
  • sich mit erfahrenen Schwimmern vergleichen

Nicht jeder Fehler muss sofort gleichzeitig korrigiert werden.

Oft ist es sinnvoller, ein Problem nach dem anderen zu bearbeiten.

Welche Hilfsmittel sind sinnvoll?

Beim Kraulenlernen können verschiedene Hilfsmittel unterstützen.

  1. Frontschnorchel. Hilft dabei, Wasserlage, Armzug und Rhythmus zu üben, ohne ständig an die Atmung denken zu müssen.
  2. Kurze Flossen. Erleichtern den Vortrieb und helfen, eine stabilere Wasserlage zu entwickeln.
  3. Pullbuoy. Stabilisiert die Beine und ermöglicht eine stärkere Konzentration auf den Oberkörper.
  4. Schwimmbrett.Kann bei bestimmten Beinschlagübungen hilfreich sein, sollte aber nicht automatisch für jede Anfängerübung verwendet werden.
  5. Videoaufnahme.Eine Aufnahme über und unter Wasser kann sichtbar machen, was der Schwimmer selbst nicht spürt.

Das Hilfsmittel sollte immer einen klaren Zweck haben.

Es ersetzt nicht das Lernen der vollständigen Bewegung.

Kraulen lernen für Triathleten

Triathleten haben häufig andere Ziele als Wettkampfschwimmer.

Sie möchten:

  • sicher im offenen Wasser schwimmen
  • möglichst wenig Energie verbrauchen
  • die Orientierung behalten
  • mit Neoprenanzug zurechtkommen
  • nach dem Schwimmen noch gut Rad fahren und laufen
  • eine passende Atem- und Bewegungsfrequenz finden

Deshalb muss ein Triathlet nicht genauso schwimmen wie ein Beckenschwimmer über 100 Meter.

Die grundlegenden technischen Prinzipien bleiben jedoch wichtig.

Eine ruhige Wasserlage, ein sinnvoller Armzug und eine sichere Atmung sparen Energie.

Gerade bei längeren Triathlondistanzen ist Ökonomie wichtiger als eine kurze maximale Geschwindigkeit.

Vom Schwimmbad ins Freiwasser

Wer im Schwimmbad sicher kraulen kann, hat eine wichtige Grundlage.

Das Freiwasser stellt jedoch zusätzliche Anforderungen:

  • keine schwarze Linie am Boden
  • Wellen
  • Wind
  • eingeschränkte Sicht
  • andere Schwimmer
  • Körperkontakt
  • Orientierung
  • Neoprenanzug
  • ungewohnte Temperaturen

Deshalb sollte Freiwasserschwimmen separat geübt werden.

Zunächst solltest du im Schwimmbad:

  • ruhig atmen können
  • längere Abschnitte kontrolliert schwimmen
  • den Rhythmus auch bei kleinen Störungen halten
  • gelegentlich nach vorne schauen können
  • unterschiedliche Atemseiten ausprobieren

Danach kann das Training schrittweise ins Freiwasser übertragen werden.

Kraulen lernen mit Koyawa

Genau auf diesem Prinzip basiert auch mein Koyawa Kraulkurs für Erwachsene:

Erst verstehen, dann kontrolliert üben und schließlich die einzelnen Bewegungen zu einem vollständigen Kraulstil zusammensetzen.

Im Kurs lernst du Schritt für Schritt:

  • die richtige Wasserlage
  • einen funktionellen Beinschlag
  • den Ablauf des Armzugs
  • eine entspannte Rückholbewegung
  • das Ausatmen unter Wasser
  • das richtige Timing der Einatmung
  • Rhythmus und Koordination
  • die häufigsten Fehler und ihre Korrektur

Du kannst die Inhalte in Ruhe ansehen, Bewegungen mehrfach wiederholen und die einzelnen Lernschritte in deinem eigenen Tempo umsetzen.

Zum Koyawa Kraulkurs für Erwachsene

Fazit: Erst lernen, dann trainieren

Erwachsene können sehr gut Kraulen lernen.

Sie benötigen dafür jedoch häufig einen anderen Weg als Kinder, die über viele Jahre intuitiv im Schwimmverein lernen.

Die wichtigsten Schritte sind:

  • Bewegung verstehen
  • Wasserlage entwickeln
  • Armzug und Beinschlag einzeln lernen
  • Atmung vereinfachen
  • Rhythmus aufbauen
  • langsam und kontrolliert üben
  • viele saubere Wiederholungen durchführen
  • erst danach den Trainingsumfang erhöhen

Meine vier Schlüsselbegriffe bleiben deshalb:

WISSEN · GEFÜHL · RHYTHMUS · GEDULD

Damit lernen Erwachsene das Kraulschwimmen.

Erst danach beginnt das eigentliche Schwimmtraining.

Der nächste Schritt

Du möchtest Kraulschwimmen systematisch lernen und die einzelnen Bewegungen wirklich verstehen?

Im Koyawa Online-Kraulkurs lernst du die Technik Schritt für Schritt – speziell aufgebaut für erwachsene Anfänger und Triathleten.

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Wenn du Interesse an Privatstunden in kraulen hast sende mich eine Mitteilung.

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Lasse Ibert Laufstrecke Challenge Roth

Drei Punkte

Wie ökonomisch kann ich den Wettkampf bestreiten?

Ich spreche hier speziell über die Lang- oder Ironman-Distanz. Hier geht es in Bezug auf Energie nicht nur darum, möglichst viel Fette zu verbrennen oder möglichst viele Kohlenhydrate während des Wettkampfs aufzunehmen und verdauen.

Ein entscheidend und oft vergessener Faktor ist auch wie ökonomisch ich den Wettkampf bestreiten kann!

Jeder von die drei Disziplinen hat seine eigne spezielle Besonderheiten aber am Ende kommt es nur davon an, möglichst weit mit das hochexplosive Brennstoff (Kohlenhydrate), zu kommen. Ideal ist wenn du genau auf der Ziellinie ins Ziel fällst mit leere Kohlenhydrat Reserven!

Hier drei Wichtige und entscheidende Punkte für Erfolg auf Langdistanz. UND nochmal es geht nicht darum einen von den drei Disziplinen so schnell wie möglich zu machen, es geht darum möglichst schnell ins Ziel zu kommen.

Schwimmen

Wenn du in das anaerobe Bereich kommst verbrennst du 100% Kohlenhydrate. Das kannst du dich in ein Ironman eigentlich nie erlauben! Wenn es keinen taktischen Aspekt geben würde (wie z.B. eine schnelle Radgruppe zu erwischen) würde ich auch Top Athleten davon abraten das schwimmen mit „Vollgas“ anzugehen.

Um genau zu wissen wie schnell du die 3,8 km Schwimmen kannst ist es natürlich gut zu wissen wo deine anaerobe Schwelle liegt und das ist relativ einfach in schwimmen herauszufinden. Wenn wir der anaerobe schwelle passieren, fangen wir an mehr zu ventilieren! In schwimmen bedeutet das eine deutliche Veränderung in der Schwimmfrequenz (=mehr Züge). Ab und zu progressive 100 oder 200m von ganz locker bis zu Vollgas langsam steigern mit kaum oder minimalen Pausen. Dann mit moderne Sportuhren die Züge analysieren ist schon alles was du brauchst. Lacktatmessung bringt Sicherheit aber bestätigt in der Regel nur die Befunde.

Lerne wie es sich anfühlt etwas unter die anaerobe Schwelle zu schwimmen und schwimm genauso in der Wettkampf. Du wirst weniger Züge brauchen, der Puls wird niedriger sein, du spart deine Kohlenhydratreserve und wirst nicht Fix und Foxi den Radabschnitt anfangen.

Radfahren

Fakt ist: Wenn du schnell fahren möchtest musst du das über Frequenz machen. Unser Kraftlimit kommt sehr schnell uns entgegen aber mit Frequenz lässt sich noch einiges ausholen. Die Frage ist nur auf welche Kosten? Um möglichst schnell die 180km zu fahren würde ein Radprofi wahrscheinlich mit einer Trittfrequenz um die 100 fahren. NUR, er würde danach sicher nicht mehr schnell und lang laufen können.

Warum?

Radfahren ist nicht Triathlon! Energie ist bei normale Radrennen selten ein begrenzender Faktor.

Triathlon ist aber anders. Sicher wäre es auch für Triathleten ratsam mit eine höheren Trittfrequenz zu fahren, wenn es NUR um Radfahren oder der Radzeit geht. In Triathlon wird aber erst im Ziel abgerechnet und das macht alles anders!

Bei gleichen Wattzahl ist dein Puls höher wenn du ein hohes TF fährst als wenn du mit einen niedrigen TF fährst.

Je höher dein Puls ist je schneller fließt das Blut durch dein Körper. Wenn das Blut zu schnell fließt können die Mitochondrien nicht an die Fettsäuren „andocken“ und kein Fett kann verbrannt werden. Du verbrauchst also die kostbaren Kohlenhydrate und das ist fatal für das spätere Laufen!

Einen niedrigen Trittfrequenz bringt aber auch Gefahren mit sich das der Kraft am Pedal größer ist. Jeder Kraft hat eine Gegenkraft und wenn z.B. der Rumpf dann nicht stark genug ist kann es schnell zu Bandscheiben Probleme führen, auch die Gelenke müssen mehr aushalten.  

Nicht nur Trittfrequenz ist wichtig um ökonomisch Radfahren zu können auch möglichst gleichmäßig zu fahren bedeutet für später bei Laufen mehr Energie übrig zu haben.

Vielleicht ist sogar hier der Grund zu finden warum in Hawaii die Laufzeiten seit den späten 80er sich nicht mehr verbessert haben. Das Taktische fahren, der Tempowechsel, die Attacken das alles kostet viel Energie und  wenig Energie bedeutet hinterher langsameres laufen! Jede Tempoverschärfung oder Attacke auf Rad lohnt es sich also nicht mit zu machen auch wenn du könntest!

Was empfehle ich? Alles ist sehr individuell aber eine Tendenz ist zu erkennen! Hier meine Empfehlungen mit ein Toleranzbereich von 5-10 UpM nach oben oder nach unten.

Sprint und Kurzdistanz 90-100

Mitteldistanz 85-95

¾ Distanz 80-90

Langdistanz 75-85

UND war ganz klar ist: Je aerodynamischer du auf dein Rad sitz und fahren kannst je weniger Energie brauchst du!!

Laufen

Von alle drei Sportarten ist laufen das einfachste. Laufe einfach genug und du wirst automatisch lernen wie du laufen musst. Problem ist oft das einige nach 10-20 Jahre Bewegungsmangel wieder einsteigen UND dann erst sich „einlesen“ muss wie man richtig läuft da jede Schritt sich beschissen anfühlt. Das ist auch ein Grund für den vielen miserablen Laufstile die man beobachten kann in ein Triathlon.

Ein anderer typischer Fehler ist fehlende Rumpfstabilität. Nach 6,7,8 Std. Wettkampfdauer laufen die meisten rum wie weihgekochte Spagetti. Das ist sicher nicht ökonomisch! Ein Teil von das Problem ist die Rumpfmuskulatur aber es ist oft auch antrainiert!!

Anfänger mit wenige Jahre Ausdauererfahrung laufen in Training oft viel zu lang und viel zu viel in der Woche. Hier lernen die nicht effizientes laufen es ist nur so ein vor sich hin schlürfen was die üben.

Aber auch das Gegenteil ist nicht gut! Wie ein Gummiball hoch und runter zu springen schaut zwar dynamisch aus, kostet aber für den Ironman Distanz viel zu viel Energie! Ein Tipp: Schau dich selber an wenn du vorbei an ein Schaufenster läufst oder wenn du dein eigenen Schatten beobachten kannst. Beobachte dein Kopf! Bleibt der immer auf gleicher Höhe so als würde dein Kopf auf Schienen fahren? Glückwunsch, dann läufst du wahrscheinlich ökonomisch!

Noch eine Möglichkeit gibt es zu kontrollieren wie ökonomisch du läufst. Während meine aktive Zeit in Finnland war es immer gang und gäbe in eine Leistungsdiagnostik mit Atemgasanalyse die tatsächlich gemessene Werte mit den theoretischen Wert zu vergleichen.

Wichtig ist dann das die Stufen lang genug sind (Mindestens 3 Minuten) und das du am Ende von jeder Stufe dein Sauerstoffaufnahme ermittelt bekommst! Diese Wert (V0² ml/kg/min) vergleichst du dann mit dem theoretischen Wert für diese Stufe.

Den theoretischen Sauerstoffverbrauch kannst du z.B. so ausrechnen nach der Modell von American College of Sports Medicine (ACSM)

VO2 = (0,2 * v) + 3,5

Wo „v“ deine Laufgeschwindigkeit in Kilometer pro Minute ist und VO2 dein Sauerstoffverbrauch in ml/kg/min darstellt.

Wenn deine Sauerstoff Aufnahme unter den theoretischen Wert liegt ist es sehr gut und es bedeutet du läufst ökonomisch. Liegt deine gemessene Sauerstoffaufnahme darüber solltest du versuchen ökonomischer laufen zu lernen.

Laufstilanalysen, Lauf ABC, Athletiktraining, Maximalkraft Training, intensive Laufintervalle sowie viel Laufen im WK-Tempo, sind alle Faktoren die dein Laufen ökonomischer machen können.

Nach mehreren Tests kannst du dann die Ergebnisse mit ein andre vergleichen und sehen ob du in die richtige Richtung dich entwickelst. Ein Beispiel: Paula Redcliff (Marathon Bestzeit 2.15)  konnte im erwachenen Alter ihre maximale Sauerstoffaufnahme nicht mehr verbessern aber die Ökonomie mit erstaunlichen 15%!!

Wie wichtig diese Wert ist sagt folgendes: Wir haben früher 2-3 Mal pro Jahr diese Laufband Test gemacht. Meine maximale Sauerstoffaufnahme war immer relativ gut so zwischen 70 und 75 ml/kg/min. Ein Kumpel von mir hat ähnliche maximale Werte gehabt.

Der Unterschied war: Ich bin unökonomisch gelaufen spätestens bei 20.7 km/h war bei mir auf das Laufband Schluss er ist noch eine Stufe weiter gelaufen. In Ironman war der Unterschied noch Größer! Er konnte den Marathon unter 2.45 laufen ich nur etwas unter 3 Std.

Noch Krasser ausgedruckt in Ironman Siege: 8 gegen 0

Der schlechte Nachricht ist: Der Laufstil ökonomischer zu machen ist harte Arbeit und dauert mehrere Monate oder Jahre, also wie immer

DRAN BLEIBEN!!!

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Bennie Lindberg überprüft Pulswerte

Pulsgesteuertes Triathlon-Training

Der Puls ist ein guter Indikator

für viele Vorgänge in unserem Körper. Mit einem bisschen Erfahrung und Wissen ist der Puls dann ein sehr gutes Steuerungsmittel für Ihr Training.

Jede vernünftige Trainingsplanung beinhaltet Belastungsblöcke, denen Entlastungsblöcke folgen. Dies liegt daran, dass der Puls die Tendenz hat, niedriger zu werden, je mehr Sie trainieren. Stellen Sie sich für die kommenden drei Wochen einmal folgendes identisches Trainingsszenario vor. Gleiche Umfänge, gleiche Intensitäten, gleiche Sportarten, gleiche Reihenfolge. Gleiche Uhrzeit. Ein gut aufgebauter Trainingsplan sollte während dieses Zeitraums bei Ihnen folgendes Trainingsgefühl vermitteln.

 Erste Woche: Umfänge und Intensitäten stellen Sie vor keinerlei Probleme. Das Training kommt Ihnen eher locker vor.

Zweite Woche: Die vorgegebenen Trainingsziele erreichen Sie mühelos. Allerdings „fühlt“ es sich nicht mehr so leicht an wie in Woche eins.

Dritte Woche: Sie fangen an, sich zu fragen, wann die letzte Belastungswoche endlich vorbei ist. Sie müssen sich teilweise sogar dazu überwinden, die Vorgaben zu erfüllen.

Entlastungswoche: An den ersten vier Tagen freuen Sie sich darauf, endlich lockerer und weniger trainieren zu können. Danach aber sollten Sie bereits wieder darauf brennen, das Training zu steigern.

Obwohl alle drei Belastungswochen inhaltlich identisch sind, haben Sie das Gefühl, progressiv trainiert zu haben, denn Sie geben Ihrem Körper während dieses Zeitraums „keine Chance“, sich zu erholen. Die Müdigkeit der ersten Woche bleibt nicht konstant, sondern addiert sich von Woche zu Woche. Erst in der Entlastungswoche bieten die reduzierten Trainingsumfänge ausreichend Freiraum für die Regeneration. Pulsschwankungen sind aber auch von Tag zu Tag festzustellen. Häufig haben Athleten Schwierigkeiten, vorgegebene Pulsbereiche zu erreichen. Dies kann folgende Ursachen haben:

Der Athlet hat sich nicht an die Goldene Regel „hart vor zügig vor lang“ gehalten. Harte Trainingseinheiten machen nur dann Sinn, wenn Sie genügend ausgeruht sind, sodass Sie auch schnell mit dem entsprechend hohen Puls unterwegs sein können. Harten Einheiten sollten lange oder zügige Einheiten folgen, zügigen Einheiten nochmals zügige oder entsprechend lange Einheiten.

Der Körper leidet unter einem Mangel an Kohlenhydraten. Ohne hochwertigen Brennstoff ist es nahezu unmöglich, einen effizienten Fettstoffwechsel aufrechtzuerhalten. Dabei wird es noch schwieriger, auch noch schnell unterwegs zu sein.

Der Zeitraum zwischen zwei Trainingseinheiten wurde zu wenig für Regeneration und Schlaf genutzt.

Übertraining. Der Körper braucht dringend Ruhe. Gerade im Trainingslager kommt es häufig vor, dass die Teilnehmer von heute auf morgen tagtäglich zwischen drei und fünf Stunden mehr trainieren als daheim. Mit jedem Tag wird der Puls niedriger. Fälschlicherweise denken die meisten, dass sie immer fitter werden. Dabei ist das Gegenteil der Fall. Viele graben sich selbst eine Grube und galoppieren „hurra schreiend“ hinein. Die Reaktion des Organismus kommt prompt. Eine Verletzung oder ein Infekt (im oberen Atemwegbereich) zwingt den Sportler zur Erholung.

Der Puls kann aber auch in die andere Richtung ausschlagen, also bei leichtem Training ungewöhnlich hoch sein. Geschieht dies nach einer längeren Trainingspause, bedeutet es lediglich, dass Sie noch etwas untrainiert sind. Bei den meisten Anfängern, die kürzer als drei Jahre trainieren, kann dies im Rahmen des Trainingsalltags aber auch bedeuten, dass die Trainingsumfänge einfach noch viel zu hoch sind. Bei erfahrenen Triathleten ist dies in aller Regel ein Indiz für zu intensives Training. In den meisten Fällen kämpft der Körper beispielsweise mit einem Virus. Die „Erste Hilfe“ ist denkbar einfach. Pause. Reduzieren Sie Umfänge und Intensitäten oder tun Sie einfach gar nichts, bis Ihr Körper die Bewegung wieder einfordert. Viele Athleten stellen dieses Phänomen auch in den beiden Wochen vor wichtigen Wettkämpfen fest. In diesem Fall handelt es sich dann allerdings um den positiven Trainingseffekt, der mit Tapering und Nervosität zu tun hat.

(Puls-)Richtungswechsel

Der Puls hängt auch davon ab, wie viel Nahrung und Flüssigkeit während eines langen Wettkampfes oder Trainings zugeführt wird. Verhält sich der Puls am Anfang noch normal, zeigt die Kurve aber gegen Ende nach unten, so ist dies ein Zeichen dafür, dass für das gewählte Tempo nicht genügend Kohlenhydrate zur Verfügung standen. Dies kann eine Folge davon sein, dass entweder nicht genügend gegessen wurde oder das Essen nicht schnell genug verdaut werden kann, weil die dazu erforderliche Flüssigkeit fehlt. Zeigt der Puls nach oben, stehen die meisten (mit Ausnahme eines (langgezogenen) Zielspurts) entweder kurz vor einem Hitzekollaps oder der Dehydrierung. Reagiert der Puls im Training gerade bei Tempoverschärfungen, Sprints oder am Berg langsamer als sonst, also quasi mit eingebautem Trägheitsmoment, so ist dies eine Warnung des Körpers und ein Zeichen dafür, dass Sie sich im Grenzbereich des Machbaren befinden. In aller Regel reicht ein Ruhetag mit ausreichend Schlaf und einem guten Essen aus, sich wieder zu erholen.

Training nach Gefühl

Erfahrene Athleten, die ihren Körper kennen und vor allem ehrlich gegen sich selbst sind, können auch sehr gut nach Gefühl trainieren. Über die Jahre besteht allerdings die Gefahr, dass die Objektivität etwas verloren geht. Während es die einen vor den harten 200-Meter-Sprints im Schwimmbecken graust, stehen den anderen bei den 1.000-Meter-Laufintervallen bereits am Vorabend die Haare zu Berge. Anstatt wie früher alles zu geben, sind viele bereits mit 90 bis 95 Prozent zufrieden. Dafür absolvieren sie aber zur Gewissensberuhigung ein paar Intervalle mehr. Dies ist aber nicht mehr das gleiche Training. 5 x 2.000 Meter Laufen mit Puls 180-85 und drei Minuten Gehpause ist nicht das Gleiche wie ein 10.000 Meter Tempolauf mit Puls 170. Oder drei Stunden Puls 150-160 auf dem Rad hat eine andere Wirkung als 200 Kilometer mit Puls 120, auch wenn man sich nach beiden Einheiten gleich müde fühlt. Die frühere Trainingsqualität geht verloren und die Leistungsfähigkeit lässt nach. Das Gefühl ist also nur bedingt ein guter Steuerungsmechanismus. Es ist möglich, eine Langdistanz mit einem intensiven und zielgerichteten Trainingsprogramm (12-15 Stunden in der Woche) nach vordefinierten Pulsbereichen, in unter neun Stunden zu finishen. Das gleiche Ergebnis kann man auch mit dem doppelten Trainingspensum erreichen, dann natürlich deutlich lockerer und normalerweise in erster Linie gefühlsgesteuert. Natürlich werden jetzt viele „aufschreien“, denn es existieren zwischen diesen beiden Extremen etliche Varianten. Eine Methode ist natürlich genau so gut wie die andere. In erster Linie kommt es darauf an, welche zu wem passt und wie gern man trainiert!

Fazit

Auch wenn sich dies alles etwas kompliziert anhört, ist die Herzfrequenz immer noch die effektivste Methode, das Training zu kontrollieren. Ein Vierer-Laufschnitt im Sommer ist etwas ganz anderes als der gleiche Schnitt im Winter auf Schnee und in Winterkleidung. Aber Laufen mit Puls 140 bedeutet sowohl im Winter als auch Sommer die gleiche Belastung für den menschlichen Körper. Während im Frühjahr ein 130er-Puls auf dem Rad mit Müh‘ und Not zu einem 26er-Schnitt führt, kann dies vier Monate später bei gleichem Pulswert bereits einen 33er-Schnitt bedeuten. Pulskontrolliertes Training geht einher mit einer steigenden Fitness und führt definitiv zu höheren Geschwindigkeiten bei gleicher Belastung. Bei einer geschwindigkeits- oder wattorientierten Trainingsweise ist es wichtig, regelmäßig die Bereiche neu festzulegen, weil ansonsten die Gefahr besteht, dass die Progressivität im Training ausbleibt.

Teil 1

Text: Bennie Lindberg, Triathlon Trainer, Triathlon Coach
Erschienen im: Tritime Magazin

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Bilder von verschiedene Pulsmesser

Tritime: Pulsgesteuertes Triathlon-Training (Teil 1.)

Trianingssteuerung mit Puls.

Im Jahr 1983 kam ich das erste Mal mit einem Pulsmesser in Kontakt. Während der Leichtathletik-WM in Helsinki staunte ich über diese drahtlose Übertragung der Herzfrequenz auf das Handgelenk. Ich lieh mir ein Gerät aus und lief ein paar Runden. Puls 154. Punkt. Ende der Aussage.

Auch heute noch haben viele Athleten das gleiche Aha-Erlebnis wie ich vor über 30 Jahren. „Heute bin ich eine Stunde mit einem Durchschnittspuls von 160 Schlägen pro Minute gelaufen.“ Das war’s. Der Pulsmesser wird häufig dazu benutzt, nur eine Zahl zu dokumentieren anstatt sie „professionell“ für den eigentlichen Zweck zu verwenden, der Trainingssteuerung.

 Maximalpuls

Es existieren viele unterschiedliche Ansatzpunkte, den Maximalpuls zu errechnen. Die bekannteste Formel besagt „220 minus Alter“. Das Ergebnis ist genau so verkehrt wie die Aussage des statistischen Bundesamtes, dass der Durchschnittsmann in Deutschland 177 Zentimeter groß ist, 80 Kilogramm wiegt und die Anzuggröße 48 hat. Wenn Sie nach dieser Regel einen Einkauf tätigen, wird der Anzug einigen von Ihnen passen, anderen wiederum nicht. Wenn dieses einfache Beispiel schon nicht passt, woher soll jemand dann wissen, ob er von der oben aufgeführten Maximalpulsformel ausgehen kann? Die Antwort ist simpel. Gar nicht! Die amerikanische Ausdauerathletin Sally Edwards (unter anderem Zweitplatzierte bei den Ironman-Weltmeisterschaften 1981 in Kailua-Kona) trat dazu bereits 1996 in ihrem Buch „Sally Edwards’ Heart Zone Training“ den wissenschaftlichen Beweis an. Also bleibt nichts anderes übrig, als einen Maximalpulstest durchzuführen. Im Rahmen eines Belastungs-EKGs bei einem Sportarzt erfahren Sie auf diesem Wege neben Ihrem Maximalpuls auch noch einiges über den Gesamtzustand Ihres Herzens. Mit etwas Erfahrung können Sie die maximale Schlagkraft Ihres Herzens auch selbst feststellen, indem Sie sich, je nach Trainingszustand zwischen vier und zehn Minuten maximal belasten. Aber auch die Pulsmesser auf dem Markt bieten entsprechende Schätzungen an. Die sind in aller Regel genauer als die „220 minus Alter“-Formel, da neben den Schlägen pro Minute auch noch die Herzfrequenzvarianz einkalkuliert wird. Aber letztendlich handelt es sich auch hierbei nur um Schätzungen.

Ruhepuls und Herzvolumen

Die Pulsfrequenz ist eine hervorragende Kenngröße, wie es unserem Körper geht. Dabei hat der Maximalpuls keinerlei Aussagekraft über das Leistungsvermögen und nutzt, alleine betrachtet, recht wenig. Wichtig ist die ganze Bandbreite der Pumpleistung unseres Herzens. Fehlt also neben dem Ruhepuls, der am besten morgens kurz vor dem Aufstehen gemessen wird, auch noch das Herzvolumen. So kann zum Beispiel ein Herz mit 160 Schlägen pro Minute genau so viel Blut transportieren wie ein Herz mit 200 Schlägen. Die Chinesen glaubten früher, dass einem Mensch nur eine fest vorgegebene Anzahl von Herzschlägen und Atemzügen zur Verfügung steht. Diese Idee ist interessant und verdeutlicht auf einfache Art und Weise die gesundheitlichen Vorzüge sportlicher Betätigung. Das Herz eines Nichtsportlers mit einem Durchschnittspuls von 70 Schlägen in der Minute schlägt täglich 100.800 Mal (70 Herzschläge x 60 Minuten x 24 Stunden). Durch Training verbessert sich die Pumpleistung des Herzens. Ein Mensch, der täglich zwei Stunden mit einem Puls von 140 Schlägen pro Minute trainiert und dadurch zum Beispiel seinen Durchschnittspuls auf 50 Schläge pro Minute reduzieren kann, braucht „nur“ 82.800 Schläge pro Tag (140 x 60 x 2 + 50 x 60 x 22). Dies bedeutet trotz des Trainings fast zwanzig Prozent weniger Arbeit für das Herz eines Sportlers. Allerdings birgt Sport auch ein erhöhtes Verletzungsrisiko, denn gerade Anfänger steigern bei aller Motivation und Euphorie ihre Trainingsumfänge viel zu schnell. Unser Kreislaufsystem (Herz, Lunge, Blutgefäße) besitzt die Fähigkeit, sich relativ schnell neuen Reizen anzupassen. Unsere Muskeln dagegen brauchen doppelt so viel Zeit, um sich den höheren Belastungen anzupassen, Knochen, Sehnen und Bänder das Dreifache an Zeit!

Pulsmesser

Die meisten hochwertigen Pulsmesser besitzen standardmäßig Funktionen, die dem Athleten auf Basis von Alter, Geschlecht, Körpergröße und Aktivitätsniveau und den in den verschiedenen Belastungsstufen gemessenen Pulswerten bestimmte Trainingsbereiche vorschlagen. Die Genauigkeit dieser Angaben, bei denen auch die individuelle Herzfrequenzvarianz berücksichtigt wurde, ist für Sportler in den ersten beiden Trainingsjahren sicherlich ausreichend. Fortgeschrittene dagegen stoßen bei dieser „Bemessungsgrundlage“ an ihre Grenzen (siehe auch Anzuggröße 48). Aus diesem Grund unterziehen sich viele Triathleten einer umfassenden leistungsdiagnostischen Beratung.

Leistungsdiagnostik

Das Resultat einer Leistungsdiagnostik gibt dem Athleten Auskunft darüber, wie er zur Erreichung seines Ziels am effektivsten trainieren sollte. Das Training selbst wird dabei über die Geschwindigkeit (km/h), den Krafteinsatz (Watt) oder die Zeit in Kombination mit der Herzfrequenz gesteuert. Leider gibt es kein standardisiertes Verfahren zur Berechnung der (an)aeroben Schwelle. Es existieren lediglich verschiedene Modelle. Während einige ganz generell nur den Puls in Betracht ziehen, stellen andere feste Laktatgrenzen in den Vordergrund. Bei vielen Trainern stehen die Laktatkurve und der Bereich mit dem größten Steigungswinkel im Fokus, während andere schwerpunktmäßig eine Atemgasanalyse (Spirometrie) vornehmen. Idealerweise erhöht sich durch die Kombination mehrerer Werte auch die Aussagekraft des Tests. Inwieweit die Ergebnisse einer Lauf-Leistungsdiagnostik auch auf das Radtraining übertragen werden können, ist nicht immer einfach. Die häufig benutzte Formel, dass der Pulsschlag beim Radfahren um zehn Schläge niedriger ist als beim Laufen, kann bei guten Radfahrern und schlechten Läufern auch genau umgekehrt sein. Wie Sie sehen, handelt es sich bei all diesen Werten um sehr individuelle und in sich häufig widersprüchliche Aussagen und Regeln. Falls keine persönlichen Erfahrungswerte vorliegen, sollten Sie aus diesem Grund eine Leistungsdiagnostik immer nur für die Sportart machen, für die Sie die Werte auch benötigen. Versuchen Sie, den Test immer gleich zu gestalten. Dies bedeutet: gleiches Institut, gleiche Sportart, gleiche Stufenlänge, gleiche Dauer und gleicher Widerstand. Nur so stellen Sie sicher, dass die Ergebnisse von Test zu Test auch miteinander vergleichbar sind. Hinterfragen Sie auch, wie der Test aufgebaut ist und warum diese Vorgehensweise gewählt wurde. Erkundigen Sie sich beim Erhalt von Trainingsempfehlungen und Trainingsbereichen auch danach, wie diese Bereiche festgestellt wurden und welche Trainingsphilosophie sich dahinter verbirgt. Auch wenn sich dies alles auf den ersten Blick sehr kompliziert anhört, stellen Sie sehr schnell fest, ob das Training in die richtige Richtung geht und Ihr Trainer sein Handwerk versteht oder nicht. Denn nur dann, wenn Ihre Fragen von einem kompetenten Trainer oder Arzt ausreichend beantwortet wurden und Sie die komplexe Thematik einigermaßen verstanden haben, sind Sie auch bereit dazu, die vorgegebenen Trainingsempfehlungen umzusetzen.

Taschenrechner

Falls Sie den Gang zur Leistungsdiagnostik (noch) scheuen, können Sie auch mithilfe der Mathematik relativ genaue Pulsbereiche für Ihr Training berechnen. Subtrahieren Sie von Ihrem Maximalpuls Ihren Ruhepuls. Das Ergebnis ist die Pulsreserve, bei der es sich um den Bereich handelt, der für Ihr Training zur Verfügung steht. Ihre verschiedenen

Trainingsintensitäten berechnen Sie anhand eines bestimmten Prozentsatzes Ihrer Pulsreserve und Ihres Ruhepulses.

Fortsetzung Teil 2

Text: Bennie Lindberg, Triathlon Trainer, Triathlon Coach
Erschienen im: Tritime Magazin

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Laktattest als Diagnostik in Triathlonsport

Trainingssteuerung

Wie kann ich mein Trainingsbelastung messen?

Ein altes Dilemma in Ausdauersport ist: Wie kann ich mein Trainingsbelastung messen und dadurch mein Training optimal steuern um in Wettkämpfe den bestmöglichen Erfolg zu haben?

Letztes Jahr ist eine Studie zu genau diesem Thema veröffentlicht worden! Der sportwissenschaftliche Chef von das Profi Radteam Sunweb,  Teun van Erp und seine Kollegen von den Universitäten in Wisconsin und Amsterdam haben das untersucht.

 Als Material benützten sie knapp 12.000 Trainingseinheiten die alle mit Wattdaten aufgezeichnet waren. Davon haben die noch 7.500 Trainingseinheiten analysiert wo der Athlet auch ein Pulsmesser getragen hat und 5.500 Einheiten wo der Athlet sein Anstrengungsgefühl zusätzlich bewertet hat.

Generell hast du zwei Möglichkeiten wie du den Belastung messen kannst. Du kannst es extern analysieren also „außerhalb“ dein Körper, bedeutet also feststellen was habe ich heute geleistet. Oder du kannst es intern also „innerhalb“ dein Körper messen bedeutet wie hart war es für mich.  

In dieser Studie hat man als ein externer Faktor die verbrannte Energie gemessen. Mit Wattmesssysteme ist es leicht das exakt festzuhalten, und die Unterschiede in Team zwischen den Fahrern sind bezüglich Gewicht und Aerodynamik (was den Energieverbrauch beeinflussen könnte) sehr gering.

Als zweiter externer Faktor haben die Forscher die normalisierte Wattwerte genommen und die in Relation zu den persönlichen FTP Wert gewertet. Dieser Wert ist dann zwar persönlich aber immer noch ein externer Wert!

Als interner Wert haben sie die Pulswerte analysiert und gerechnet wie viele Minuten man im welchen Bereich trainiert hat und den Intensiveren Bereichen mehr gewertet als den lockeren. In sich ja auch hier nichts Neues.

Der andere interne Wert war noch einfacher! Die Athleten haben auf eine Skala von 6 (locker) bis 20 Maximum gleich nach den Training bewertet wie hart der Einheit war und dann diese Nummer mit den Dauer von den Einheit multipliziert.

Wenn man dann den Unterschieden zwischen den verschiedenen Methoden statistisch vergleicht kommt ein Korrelationsfaktor von 0.97 raus! Eine absolute Übereinstimmung hat ein Korrelationswert von 1,0.

Ich finde diese Untersuchung und das Ergebnis GENIAL!

Erstens: Bedeutet es Training/Coaching ist keine Raketenwissenschaft und wenn du die Sachen kompliziert machen möchtest kannst du es, aber du hast davon keine Vorteile, eher ein Nachteil da vieles dann unübersichtlich werden kann!

Zweitens: Unterstreicht es meine Vermutung dass die Verbesserungen in den Zeiten (hier würde ich Radsport, wegen der Doping-Ding nicht berücksichtigen), speziell in der Triathlon Sport auf verbesserte Material und mehr Talenten zurückzuführen ist und nicht auf mehr und komplizierteren Trainings-Wettkampf-Daten-Auswertungen-Steuerungen!

Drittens: Wie du dein Training steuerst ist ziemlich egal Hauptsachen du verstehst dein Handwerk!

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Elastisch wie eine Känguru - Laufökonomie in Triathlon

Elastizität im Triathlon

Elastizität im Triathlon: Warum sie beim Laufen wichtig ist

Beim Ausdauersport zählt nicht nur der Motor, sondern auch, wie ökonomisch der Körper seine Energie in Bewegung umsetzt.

Triathlon Training auf der Promenade in Playitas

Kängurus sind ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie elastische Strukturen Energie speichern und wieder freigeben können. Mit vergleichsweise geringem Energieaufwand schaffen sie wiederholt große Sprünge.

Beim Menschen funktioniert das natürlich anders. Trotzdem nutzen auch wir beim Laufen elastische Energie. Muskeln, Sehnen und Faszien bilden gemeinsam ein System, das bei jedem Schritt belastet wird und einen Teil dieser Energie wieder zurückgeben kann.

Je besser dieses System funktioniert, desto ökonomischer kann sich das Laufen anfühlen.

Warum Laufen im Alter häufig schwerer wird

Beim Schwimmen und Radfahren kann die Form nach einer Pause oft relativ schnell zurückkommen. Beim Laufen merke ich persönlich deutlich stärker, dass Geschwindigkeit und Leichtigkeit mit dem Alter schwieriger zurückzugewinnen sind.

Ein Grund liegt darin, dass Laufen hohe Anforderungen stellt an:

  • reaktive Kraft
  • Koordination
  • Sehnenfunktion
  • Muskelkraft
  • kurze Bodenkontaktzeiten
  • das Zusammenspiel von Spannung und Entspannung

Mit zunehmendem Alter können Muskelmasse, Maximalkraft und neuromuskuläre Leistungsfähigkeit abnehmen. Auch Sehnen verändern ihre Eigenschaften. Das bedeutet nicht, dass schnelles oder ökonomisches Laufen unmöglich wird. Es braucht aber mehr gezielte Pflege als früher.

Der Körper als Pogo-Stick

Ein Pogo-Stick veranschaulicht die Grundidee gut.

Beim Aufsetzen wird die Feder gespannt. Anschließend gibt sie einen Teil der gespeicherten Energie wieder zurück.

Ähnlich geschieht es beim Laufen. Beim Bodenkontakt werden insbesondere Sehnen und Muskeln belastet. Ein Teil dieser Energie kann für den nächsten Abdruck genutzt werden.

Funktioniert dieses System gut, entsteht bei gleichem Tempo ein geringerer Energiebedarf.

Funktioniert es schlechter, muss die Muskulatur mehr aktive Arbeit leisten. Dann kann bei gleichem Energieeinsatz das Tempo sinken – oder für dasselbe Tempo mehr Energie benötigt werden.

Genau darum geht es bei der Laufökonomie.

Warum das auf der Langdistanz zählt

Nach mehreren Stunden Wettkampf nimmt die muskuläre Leistungsfähigkeit ab. Die Lauftechnik verändert sich, die Bodenkontaktzeit wird länger und der Schritt verliert häufig an Spannung.

Dann kann Folgendes passieren:

  • Das Tempo sinkt bei ähnlichem Energieverbrauch.
  • Für dasselbe Tempo steigt der Energiebedarf.
  • Die Wärmeproduktion nimmt zu.
  • Die Laufbewegung wird schwerer und weniger effizient.

Für den Ironman-Marathon reicht es deshalb nicht, nur eine hohe Ausdauer zu besitzen.

Der Athlet braucht auch genügend Kraft und muskuläre Widerstandsfähigkeit, um seine Lauftechnik und Ökonomie möglichst lange zu erhalten.

Krafttraining verbessert die Laufökonomie

Gut geplantes Krafttraining kann die Laufökonomie und Ausdauerleistung verbessern. Besonders wirksam erscheinen in Studien schweres Krafttraining, explosive Übungen und sinnvoll kombinierte Programme. Die Wirkung entsteht vor allem durch neuromuskuläre Anpassungen, eine bessere Kraftentwicklung und effizientere Kraftübertragung.

Für Triathleten können beispielsweise sinnvoll sein:

  • Kniebeugen oder Beinpresse
  • Ausfallschritte
  • Banksteigen
  • einbeinige Kraftübungen
  • Wadenheben
  • Übungen für Hüfte und Rumpf
  • später ergänzend explosive Bewegungen

Entscheidend ist ein langsamer Aufbau. Krafttraining soll das Ausdauertraining unterstützen und nicht durch starken Muskelkater oder Überlastung behindern.

Sprungtraining und Lauf-ABC

Plyometrisches Training nutzt schnelle Dehnungs-Verkürzungs-Bewegungen. Dazu gehören verschiedene Sprünge, kurze Bodenkontakte und reaktive Laufübungen.

Solches Training kann die Laufökonomie verbessern. Die Effekte hängen jedoch stark von Trainingsniveau, Dosierung und Übungsauswahl ab. Schweres Krafttraining zeigt in einigen Übersichten sogar stabilere Effekte als ausschließlich plyometrisches Training.

Mögliche Übungen sind:

  • Steigerungsläufe
  • kurze Bergsprints
  • Hopserlauf
  • Sprungläufe
  • Seilspringen
  • kleine beidbeinige oder einbeinige Sprünge

Dabei gilt: wenig, sauber und regelmäßig ist besser als seltene extreme Sprungprogramme.

Sprungtraining belastet Sehnen, Muskeln und Knochen stark. Es sollte deshalb erst eingesetzt werden, wenn eine ausreichende Grundkraft vorhanden ist und keine akuten Beschwerden bestehen.

Lauf-ABC ist nur dann sinnvoll, wenn es richtig ausgeführt wird

Lauf-ABC wird häufig routinemäßig absolviert, ohne dass klar ist, welche Fähigkeit damit trainiert werden soll.

Die Übungen sollten nicht nur irgendwie durchgeführt werden. Sie benötigen:

  • aktive Körperhaltung
  • stabile Hüfte
  • kurze und kontrollierte Bodenkontakte
  • saubere Fußposition
  • ausreichende Spannung
  • vollständige Erholung zwischen schnellen Übungen

Langsames, müdes oder technisch unsauberes Springen trainiert nicht automatisch die gewünschte reaktive Kraft.

Qualität ist wichtiger als Umfang.

Was Triathleten konkret tun sollten

Für viele Triathleten reicht eine einfache Kombination:

  • ein- bis zweimal pro Woche Krafttraining
  • regelmäßig kurze Steigerungsläufe
  • vorsichtig dosiertes Lauf-ABC
  • später kleine Mengen Sprungtraining
  • ausreichend lockeres Lauftraining zur technischen Festigung

Diese Inhalte müssen an Alter, Verletzungsgeschichte, Trainingsstand und Wettkampfziel angepasst werden.

Ein älterer Athlet oder Laufanfänger braucht einen deutlich vorsichtigeren Einstieg als ein junger, belastbarer Läufer mit langjähriger Sprungerfahrung.

Trainingsplanung im Triathlon: Talent, Ziel und Alltag

Faszienpflege allein reicht nicht

Faszienrollen, Massage und Beweglichkeitsübungen können sich angenehm anfühlen und die Beweglichkeit kurzfristig beeinflussen.

Sie ersetzen aber kein Kraft- oder Reaktivtraining.

Wer seine Laufökonomie langfristig verbessern möchte, braucht vor allem:

  • regelmäßiges Laufen
  • ausreichende Muskelkraft
  • koordinative Qualität
  • angemessene reaktive Belastungen
  • Erholung
  • schrittweise Progression

Die entscheidenden Anpassungen entstehen durch Training, nicht allein durch Rollen oder Dehnen.

Fazit: Laufökonomie braucht mehr als Ausdauer

Triathlon verlangt vielseitige Fähigkeiten.

Umfang und Intensität bleiben wichtig. Für gutes Laufen gehören jedoch auch Kraft, Koordination und reaktive Fähigkeiten in den Trainingsplan.

Die Quintessenz lautet:

Ein starker Ausdauermotor hilft nur dann vollständig, wenn der Körper die vorhandene Energie ökonomisch in Vortrieb umsetzen kann.

Krafttraining, Steigerungsläufe und vorsichtig aufgebautes Sprungtraining können dabei helfen. Besonders mit zunehmendem Alter sollten diese Inhalte nicht dem Zufall überlassen werden.

Denn auch im Triathlon gilt:

Eine Kette ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied.

Der nächste Schritt

Du möchtest Kraft, Laufökonomie und Ausdauer sinnvoll miteinander verbinden?

Auf Ad Extremum findest du weitere Informationen zu meinem individuellen Triathlon Coaching und zur persönlichen Trainingsplanung.

Zum persönlichen Triathlon Coaching

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Wie viel kann ich meine Sauerstoffaufnahme verbessern?

Triathlon Training und VO2 Max

Wie viel kann ich meine Sauerstoffaufnahme verbessern?

maximale Sauerstoffaufnahme.

Eine Sache verwundert mich immer und da scheint immer noch keine Ende zu sein! Das hat mit VO2 Max Training zu tun, also wie kann ich meine maximale Sauerstoffaufnahme am besten trainieren und verbessern.

Ständig, täglich kann man davon lesen sogar (was mich verwundert) in viele Ausdauermagazine! Es ist so als wäre VO2 Max die einzige und wichtigste Indikator für Fitness.

Das stimmt sogar → aber nur für Coach Potatoes! LOL!!!

Für Athleten, die normal, vernünftig Ausdauertraining machen, das heißt alle Bereiche Trainieren, erst vorwiegend den Basis Aufbauen und dann immer intensiver, da entwickelt sich die Maximale Sauerstoffaufnahme praktisch automatisch von sich selbst.

Relativ schnell ist das Maximum was für dich möglich ist erreicht (Je nach Veranlagung spricht man hier von 10-20% Verbesserungspotential). Das heißt nach 2-3 Jahre vernünftiges Training wird das Wert sich kaum mehr ändern (Ich spreche jetzt von Erwachsenen Menschen!). Was sich leicht ändern kann ist die relative Sauerstoffaufnahme da es in Relation zu Körpergewicht steht. Aber das wiederum ist eine andere Thema.

Das man immer VO2 Max Training machen soll und kann – um diese Wert zu verbessern ist also Kuckulores!

Das bedeutet aber nicht das der sogenannte VO2 Max Training nutzlos ist!

Im Gegenteil, du musst hart und schnell trainieren um schneller zu werden aber in VO2 Max tut sich wenig, eher verbessert sich die Effektivität und die Ökonomie.

Das bedeutet im Vergleich zu vorher bist du schneller oder gleich schnell unterwegs aber mit weniger Sauerstoff, und niedrigere Puls und niedrigere Laktatwerte.

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Bericht Tritime Übertraining

Immer schneller, höher …

Immer schneller, höher, weiter… in das Übertraining hinein!

Das wichtigste was ein  Triathlon Trainer  zu tun hat ist die Abstimmung von Belastung und Entlastung! Hier ein Text über Übertraining das ich für Tritime geschrieben habe! Viel vergnügen beim lesen:

Die größte Herausforderung eines Coaches im Triathlontraining ist nicht – wie viele vermuten werden – die Zusammenstellung eines Trainingsplans, sondern vielmehr die Planung und Ausrichtung der einzelnen Trainingseinheiten an das Leistungsniveau und die beruflichen, privaten und zeitlichen Rahmenbedingungen eines jeden einzelnen Athleten. Vieles hängt auch davon ab, ob der Sportler sich die Zeit nimmt, über einen Zeitraum von mehreren jahren seine Form langsam aufzubauen.

Motivation und Ehrgeitz sind im diesen Zusammenhang Fluch und Segen zugleich. denn sie sind einerseits die Basis für die „Fleißarbeit“ Training, anderseits der mögliche Beginn der Spirale Übertraining.

Übertraining bedeutet zu hohe Umfänge und/oder Intensitäten bei gleichzeitig vernachlässigte Regeneration. Kommt der (vor) belastete Körper nicht mehr zur Ruhe und kann sich vom training nicht mehr erholen, lässt der gewünschte Effekt nach und Leistungseinbrüche sind die Folge.

Weiterlesen kannst du den Artikel im PDF Format wenn Du den Link unten folgst!

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High Intensity Intervall Training auf Strandboulkevard in Playitas mit Angela Lindberg

HIIT

HIIT im Triathlon: Wirkung, Training und Beispiele

Alter Schuh in neuem Gewand – oder unverzichtbarer Bestandteil eines modernen Triathlontrainings?

High Intensity Intervall Training auf Strandboulkevard in Playitas mit Angela Lindberg

High Intensity Interval Training, kurz HIIT, gehört heute zu den bekanntesten Trainingsformen im Ausdauersport.

Kurze oder längere intensive Belastungen wechseln sich dabei mit Erholungsphasen ab. Das Training ist anstrengend, vergleichsweise kompakt und kann deutliche Leistungsreize setzen.

Ganz neu ist diese Idee allerdings nicht.

Intervalltraining wurde bereits lange vor der Bezeichnung HIIT erfolgreich eingesetzt. Neu sind vor allem die wissenschaftliche Untersuchung verschiedener Belastungsformen, die genauere Steuerung und die große Zahl unterschiedlicher Protokolle.

Für Triathleten stellt sich deshalb nicht die Frage, ob intensives Intervalltraining grundsätzlich funktioniert.

Die entscheidenden Fragen lauten:

  • Welche Form von HIIT passt zu welchem Athleten?
  • Wie intensiv müssen die Intervalle wirklich sein?
  • Wie viel Erholung ist notwendig?
  • In welcher Trainingsphase ist HIIT sinnvoll?
  • Wie lässt es sich mit Grundlagentraining und langen Einheiten verbinden?

Mehr über mein Triathlon Coaching

Was ist HIIT?

HIIT steht für High Intensity Interval Training.

Dabei wechseln sich intensive Belastungsabschnitte mit aktiven oder passiven Erholungsphasen ab. Die Länge der Intervalle kann je nach Trainingsziel stark variieren.

Möglich sind beispielsweise:

  • kurze Intervalle von 20 bis 60 Sekunden
  • mittellange Belastungen von ein bis drei Minuten
  • längere Intervalle von vier bis sechs Minuten
  • wiederholte Belastungen knapp unter oder nahe der maximalen Sauerstoffaufnahme

HIIT ist deshalb keine einzelne Trainingsmethode mit einem festgelegten Verhältnis von Belastung und Pause.

Es ist vielmehr ein Oberbegriff für verschiedene Intervallformen, bei denen die Belastung hoch genug ist, um gezielt starke Reize auf das Herz-Kreislauf-System, den Stoffwechsel und die arbeitende Muskulatur zu setzen.

Welche Variante sinnvoll ist, hängt unter anderem ab von:

  • Sportart
  • Trainingszustand
  • Wettkampfdistanz
  • Trainingsphase
  • Ziel der Einheit
  • Erfahrung des Athleten
  • verfügbarer Erholungszeit

Aktuelle sportwissenschaftliche Arbeiten betonen genau diese Variabilität: HIIT lässt sich nicht auf ein einziges „optimales“ Protokoll reduzieren. Intensität, Intervalldauer und Pausen müssen als zusammenhängendes System betrachtet werden.

HIIT, HIT und Sprint Interval Training sind nicht dasselbe

Die Begriffe werden im Sport nicht immer einheitlich verwendet.

HIT bedeutet zunächst nur High Intensity Training. Im Krafttraining wird der Begriff häufig für ein sehr intensives Krafttrainingssystem mit wenigen, stark ausbelastenden Sätzen verwendet. Im Ausdauersport kann HIT aber auch allgemein als Abkürzung für hochintensives Training verwendet werden.

HIIT bezeichnet ein Intervalltraining mit hoher Intensität und wiederkehrenden Erholungsphasen.

Sprint Interval Training, kurz SIT, ist eine besonders intensive Variante. Hier werden meist sehr kurze Belastungen mit maximalem oder sogar supramaximalem Einsatz absolviert.

Der Unterschied liegt also nicht nur in der Dauer, sondern vor allem in der Intensität.

Bei klassischem HIIT soll der Athlet eine hohe Leistung über mehrere Wiederholungen möglichst stabil halten. Beim Sprinttraining geht es stärker um maximale Leistung, Beschleunigung und anaerobe Kapazität.

Für einen Triathleten können beide Trainingsformen sinnvoll sein. Sie erfüllen jedoch unterschiedliche Aufgaben und sollten nicht beliebig gegeneinander ausgetauscht werden.

Eine aktuelle Metaanalyse deutet darauf hin, dass längere HIIT-Intervalle für die Entwicklung der aeroben Leistungsfähigkeit Vorteile gegenüber sehr kurzen Sprintintervallen haben können. Die Qualität der zugrunde liegenden Evidenz ist allerdings nicht bei allen untersuchten Ergebnissen hoch.

Was bewirkt HIIT?

Richtig eingesetzt kann HIIT verschiedene Bereiche der Leistungsfähigkeit verbessern.

Dazu gehören insbesondere:

  • maximale Sauerstoffaufnahme
  • maximale aerobe Leistung
  • Leistungsfähigkeit im Bereich hoher Intensitäten
  • Belastungsverträglichkeit
  • Geschwindigkeit und Leistung bei kurzen Wettkampfformen
  • Fähigkeit, sich zwischen intensiven Belastungen zu erholen

HIIT kann sowohl aerobe als auch anaerobe Anpassungen auslösen. Welche Anpassung überwiegt, hängt vom konkreten Protokoll ab.

Sehr kurze maximale Belastungen beanspruchen das anaerobe System besonders stark. Längere Intervalle von mehreren Minuten führen dagegen zu einer längeren Beanspruchung im Bereich einer hohen Sauerstoffaufnahme.

Überblicksarbeiten zeigen, dass HIIT die kardiorespiratorische Leistungsfähigkeit bei unterschiedlichen Personengruppen verbessern kann. Auch bei bereits trainierten Athleten sind Leistungssteigerungen möglich, wobei die Effekte naturgemäß kleiner und individueller ausfallen können als bei Untrainierten.

Das Tabata-Training: vier Minuten, aber kein Wundermittel

Eine der bekanntesten Varianten ist das sogenannte Tabata-Training.

Die ursprüngliche Untersuchung aus dem Jahr 1996 verglich ein moderates Ausdauertraining mit einem hochintensiven Intervallprogramm. Das intensive Protokoll bestand aus wiederholten 20-Sekunden-Belastungen mit nur zehn Sekunden Pause.

Die Studie wurde häufig vereinfacht mit der Aussage wiedergegeben, vier Minuten Tabata-Training seien genauso wirksam wie eine Stunde Ausdauertraining.

So einfach ist es nicht.

Die Athleten absolvierten zusätzlich ein Aufwärmprogramm, trainierten mehrmals pro Woche und waren während der Belastungen extrem gefordert. Außerdem wurden bestimmte aerobe und anaerobe Messgrößen untersucht – nicht sämtliche Anpassungen, die für einen Triathleten wichtig sind.

Die Studie zeigte, dass ein sehr intensives Intervallprogramm sowohl aerobe als auch anaerobe Anpassungen auslösen kann. Sie zeigte jedoch nicht, dass vier Minuten Training ein vollständiges Ausdauertraining oder den langfristigen Aufbau für einen Triathlon ersetzen.

Für gut trainierte Triathleten kann ein Tabata-ähnliches Protokoll ein gezielter Reiz sein. Es ist aber nicht automatisch die beste HIIT-Variante für jede Trainingsphase und jede Wettkampfdistanz.

HIIT bedeutet nicht immer Vollgas

Bei Sprintintervallen kann tatsächlich ein maximaler Einsatz verlangt werden. Bei längeren HIIT-Intervallen wäre völliges Vollgas in der ersten Wiederholung meistens kontraproduktiv.

Das Ziel besteht vielmehr darin, über alle Intervalle eine hohe und möglichst stabile Qualität zu erreichen.

Ein Beispiel:

Wer fünfmal vier Minuten trainiert, sollte die erste Belastung nicht so schnell beginnen, dass die Leistung anschließend stark einbricht. Die letzte Wiederholung darf sehr hart sein. Trotzdem sollte die Einheit kontrolliert bleiben.

Je nach Intervallform kann die Intensität gesteuert werden über:

  • Leistung in Watt
  • Laufgeschwindigkeit
  • Schwimmtempo
  • Herzfrequenz mit zeitlicher Verzögerung
  • subjektives Belastungsempfinden
  • Geschwindigkeit oder Leistung im Verhältnis zur Wettkampfleistung

Hart bedeutet nicht automatisch unkontrolliert.

Ein gutes HIIT ist so intensiv wie nötig, aber so kontrolliert, dass das geplante Trainingsziel erreicht wird.

Warum kurze und längere HIIT-Intervalle unterschiedlich wirken

Ein Intervall von 20 Sekunden stellt andere Anforderungen als eine Belastung von fünf Minuten.

Kurze Intervalle

Kurze Belastungen von etwa 15 bis 60 Sekunden können geeignet sein für:

  • Beschleunigung
  • neuromuskuläre Aktivierung
  • anaerobe Leistungsfähigkeit
  • hohe Leistungsspitzen
  • Rekrutierung zusätzlicher Muskelfasern
  • Abwechslung im Training

Je kürzer das Intervall ist, desto höher kann in der Regel die Leistung sein.

Mittellange Intervalle

Belastungen von etwa ein bis drei Minuten verbinden hohe aerobe und anaerobe Anforderungen.

Sie können unter anderem eingesetzt werden für:

  • Entwicklung der maximalen aeroben Leistung
  • Verbesserung der Belastungsverträglichkeit
  • Vorbereitung auf kurze Wettkampfformen
  • gezielte intensive Trainingsblöcke

Längere Intervalle

Intervalle von vier bis sechs Minuten ermöglichen es, relativ viel Zeit bei einer hohen Sauerstoffaufnahme zu verbringen.

Sie eignen sich besonders zur Entwicklung von:

  • VO₂max
  • aerober Leistungsfähigkeit
  • Tempoausdauer
  • kontrollierter Leistung nahe der maximalen aeroben Belastung

Welche Form die beste ist, lässt sich nicht allgemein beantworten. Selbst bei sehr gut trainierten Athleten hängt die Wirkung von Intervalllänge, Erholung, Trainingsphase und sportartspezifischer Umsetzung ab.

HIIT ist Intervalltraining – aber nicht jedes Intervalltraining ist HIIT

Intervalltraining existierte lange vor dem Begriff HIIT.

Der deutsche Leichtathletiktrainer Woldemar Gerschler entwickelte bereits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts systematische Formen des Intervalltrainings.

Auch Emil Zátopek wurde für seine enormen Wiederholungszahlen bekannt. Arthur Lydiard kombinierte dagegen zunächst umfangreiches Grundlagentraining mit späteren intensiven und wettkampfspezifischen Phasen.

Diese historischen Beispiele zeigen:

Die Grundidee, Belastung und Erholung systematisch abzuwechseln, ist nicht neu.

Neu sind heute vor allem:

  • genauere physiologische Messungen
  • bessere Belastungssteuerung
  • Leistungsmesser und Trainingsplattformen
  • differenziertere Intervallprotokolle
  • bessere Kenntnisse über Regeneration
  • individuellere Periodisierung

Auch ich habe bereits Ende der 1980er-Jahre Schwimmeinheiten absolviert, die heute vermutlich als hochintensives Intervalltraining bezeichnet würden.

Ein Beispiel war:

  • 100 Meter Kraul maximal
  • fünf Minuten Pause
  • 75 Meter Kraul maximal
  • fünf Minuten Pause
  • 50 Meter Kraul maximal

Damals nannten wir das nicht HIIT, sondern Laktattoleranztraining.

Der Name hat sich verändert. Der starke Trainingsreiz ist geblieben.

Was ist am modernen HIIT wirklich neu?

Die wichtigste moderne Erkenntnis ist nicht, dass ein paar Minuten Training sämtliche langen Einheiten ersetzen.

Interessant ist vielmehr, wie viel Wirkung ein relativ kleiner Umfang an gezieltem intensivem Training entfalten kann.

Ein Athlet muss also nicht ständig hart trainieren.

Oft reichen wenige sorgfältig platzierte intensive Einheiten, um einen zusätzlichen Leistungsreiz zu setzen.

Das bedeutet aber auch:

Je intensiver eine Einheit ist, desto weniger Umfang wird innerhalb dieser Einheit benötigt.

Und:

Je intensiver das Training ist, desto wichtiger werden Vorbereitung und Erholung.

HIIT ist deshalb kein Mittel, mit dem beliebig viele harte Belastungen in eine Woche gepackt werden sollten.

Es ist ein hochwirksames Werkzeug, das dosiert eingesetzt werden muss.

Warum HIIT das Grundlagentraining nicht ersetzt

Viele HIIT-Studien dauern nur wenige Wochen. Oft werden Personen untersucht, deren bisheriges Trainingsniveau und Trainingsvolumen deutlich unter dem eines erfahrenen Triathleten liegen.

Bei wenig trainierten Personen kann ein neuer intensiver Reiz schnell zu großen messbaren Verbesserungen führen.

Ein erfahrener Langdistanzathlet braucht jedoch zusätzlich Anpassungen, die sich nicht durch kurze HIIT-Einheiten ersetzen lassen.

Dazu gehören:

  • muskuläre Ermüdungsresistenz
  • stabile Technik über mehrere Stunden
  • Fettstoffwechsel
  • Verpflegungsstrategie
  • Belastbarkeit des Bewegungsapparates
  • aerobe Effizienz
  • Sitzposition und Komfort auf dem Rad
  • Pacing über lange Zeiträume
  • mentale Ausdauer

HIIT kann die obere Leistungsgrenze anheben.

Lange und lockere Einheiten helfen dem Athleten dagegen, einen möglichst großen Anteil seiner Leistungsfähigkeit über viele Stunden nutzbar zu machen.

Für Triathleten sind beide Bereiche wichtig.

Eine Ente wird nicht sofort zum Ferrari

Ein bereits ausreichend trainierter Körper kann durch eine gezielte Phase mit intensiven Intervallen relativ schnell einen neuen Impuls erhalten.

Das funktioniert jedoch nur, wenn die Grundlage vorhanden ist.

Ohne ausreichende Belastbarkeit können die zusätzlichen PS schnell zu Problemen führen:

  • muskuläre Beschwerden
  • Sehnenreizungen
  • außergewöhnliche Müdigkeit
  • nachlassende Trainingsqualität
  • Motivationsverlust
  • Verletzungen

HIIT verstärkt nicht nur die gewünschte Trainingswirkung. Es verstärkt auch Fehler in der Trainingssteuerung.

Für welche Triathleten eignet sich HIIT?

HIIT kann grundsätzlich für verschiedene Leistungsniveaus sinnvoll sein. Die Ausführung muss aber angepasst werden.

Einsteiger

Einsteiger benötigen nicht sofort maximale Sprintintervalle.

Bereits kurze, kontrollierte Abschnitte oberhalb des normalen Dauertrainingstempos können einen ausreichenden Reiz darstellen.

Wichtiger sind zunächst:

  • regelmäßiges Training
  • saubere Technik
  • stabile Grundlagenausdauer
  • langsamer Belastungsaufbau
  • ausreichende Erholung

Erfahrene Age-Grouper

Für erfahrene Athleten kann HIIT helfen:

  • ein Leistungsplateau zu überwinden
  • trotz begrenztem Zeitbudget gezielte Reize zu setzen
  • VO₂max und maximale aerobe Leistung zu entwickeln
  • Abwechslung in das Training zu bringen
  • sich auf kurze und intensive Wettkämpfe vorzubereiten

Leistungsorientierte Athleten

Bei sehr gut trainierten Athleten muss HIIT besonders präzise geplant werden.

Da bereits ein hohes Trainingsniveau besteht, sind die möglichen zusätzlichen Fortschritte kleiner. Gleichzeitig können schlecht platzierte intensive Einheiten die Qualität des übrigen Trainings beeinträchtigen.

Metaanalysen zeigen zwar mögliche Vorteile bei gut und sehr gut trainierten Athleten, aber die Reaktion bleibt individuell. Besonders wichtig ist daher die Einbindung in das bestehende Training statt eines isolierten „Mehr ist besser“-Ansatzes.

Wann sollte HIIT vorsichtig eingesetzt werden?

HIIT ist eine hohe körperliche Belastung.

Vorsicht ist insbesondere angebracht:

  • nach längeren Trainingspausen
  • bei akuten Schmerzen oder Verletzungen
  • während oder unmittelbar nach einem Infekt
  • bei außergewöhnlicher Erschöpfung
  • bei unklaren Herz-Kreislauf-Beschwerden
  • nach einer deutlichen Steigerung des übrigen Trainings
  • bei fehlender technischer Stabilität
  • wenn mehrere andere harte Einheiten geplant sind

Bei gesundheitlichen Risiken oder ungeklärten Beschwerden sollte vor hochintensivem Training eine medizinische Abklärung erfolgen.

Auch ein gesunder Athlet sollte HIIT nicht unvorbereitet beginnen.

Je höher die Geschwindigkeit und Leistung, desto wichtiger sind:

  • gutes Aufwärmen
  • saubere Bewegungsausführung
  • sportartspezifische Vorbereitung
  • ausreichende Erholung
  • schrittweise Steigerung

Wie oft sollte ein Triathlet HIIT trainieren?

Für viele Age-Grouper genügt zunächst eine echte HIIT-Einheit pro Woche. In einem gezielten Trainingsblock können vorübergehend zwei Einheiten sinnvoll sein.

Dabei muss allerdings das gesamte Training betrachtet werden.

Ein hartes Radtraining, ein intensiver Tempolauf und eine anspruchsvolle Schwimmeinheit können zusammen bereits drei intensive Belastungen darstellen – auch wenn nur eine davon ausdrücklich HIIT genannt wird.

Wichtiger als die Bezeichnung ist deshalb die Gesamtbelastung der Woche.

Ein Coach sollte prüfen:

  • Wie viele harte Reize gibt es bereits?
  • Welche Disziplin hat Priorität?
  • Wie erholt sich der Athlet?
  • Wie hoch ist die berufliche und familiäre Belastung?
  • Welche Wettkampfdistanz wird vorbereitet?
  • In welcher Trainingsphase befindet sich der Athlet?

individuelle Trainingsplanung

Beispiel für ein Lauf-HIIT

Eine mögliche Einheit für einen vorbereiteten und beschwerdefreien Athleten könnte so aussehen:

Aufwärmen

  • 15 bis 20 Minuten lockeres Laufen
  • Mobilisation
  • drei bis vier kurze Steigerungsläufe

Hauptteil

  • vier- bis sechsmal drei Minuten zügig bis sehr hart
  • jeweils zwei bis drei Minuten lockeres Traben

Auslaufen

  • 10 bis 15 Minuten sehr locker

Die Intensität sollte so gewählt werden, dass das Tempo über alle Wiederholungen weitgehend stabil bleibt.

Ein deutliches Einbrechen nach der ersten oder zweiten Wiederholung spricht meist dafür, dass der Athlet zu schnell begonnen hat.

Für erfahrene Läufer sind auch längere Intervalle möglich. Bei weniger belastbaren Athleten kann der Hauptteil zunächst deutlich kürzer sein.

Beispiel für ein Rad-HIIT

Auf dem Rad lässt sich HIIT besonders gut über Leistung steuern.

Eine mögliche Einheit:

Aufwärmen

  • 20 Minuten locker
  • einige kurze Steigerungen

Hauptteil

  • fünfmal vier Minuten mit hoher, kontrollierter Leistung
  • jeweils vier Minuten sehr locker fahren

Ausfahren

  • 10 bis 20 Minuten locker

Die letzte Belastung darf sehr schwer sein. Trotzdem sollte der Athlet die geplante Leistung technisch sauber halten können.

Ein Vorteil des Radfahrens besteht darin, dass hohe Herz-Kreislauf-Belastungen häufig mit einem geringeren orthopädischen Risiko als beim maximalen Lauftraining verbunden sind.

Beispiel für ein Schwimm-HIIT

Beim Schwimmen darf die Technik nicht vollständig auseinanderfallen.

Eine mögliche Serie:

  • gründliches Einschwimmen
  • Technikübungen
  • zwölfmal 50 Meter schnell
  • ausreichende Pause, damit die Schwimmtechnik kontrolliert bleibt
  • lockeres Ausschwimmen

Alternativ können längere Intervalle eingesetzt werden, beispielsweise:

  • sechsmal 100 Meter zügig bis sehr hart
  • mit individuell angepasster Pause

Im Wasser ist nicht nur die Belastung wichtig. Entscheidend ist auch, ob Wasserlage, Zuglänge und Bewegungsrhythmus unter hoher Intensität erhalten bleiben.

Schlechtes Sprinten trainiert sonst vor allem eine schlechte Technik bei hoher Geschwindigkeit.

Die häufigsten Fehler beim HIIT

HIIT funktioniert nicht automatisch, nur weil das Training sehr anstrengend ist.

Typische Fehler sind:

  • zu viele intensive Einheiten
  • jedes Intervall maximal beginnen
  • unzureichendes Aufwärmen
  • zu kurze Erholung zwischen den Trainingstagen
  • schlechte Technik akzeptieren
  • Schmerzen ignorieren
  • HIIT zusätzlich auf einen bereits vollen Trainingsplan setzen
  • jede Disziplin gleichzeitig intensiv trainieren
  • Grundlagentraining vernachlässigen
  • Trainingspläne aus Studien ungeprüft übernehmen

Besonders problematisch ist es, HIIT einfach als Zusatz zu betrachten.

Wer eine intensive Einheit ergänzt, muss häufig an anderer Stelle Belastung reduzieren.

Qualität steht vor Quantität

Bei HIIT zählt nicht, wie viele Intervalle irgendwie überstanden werden.

Entscheidend ist, ob der geplante Reiz mit ausreichender Qualität gesetzt wurde.

Eine gute HIIT-Einheit endet nicht zwingend erst dann, wenn der Athlet vollkommen erschöpft ist.

Sie endet dann, wenn:

  • das Ziel erreicht wurde
  • die Leistung deutlich abzufallen beginnt
  • die Technik nicht mehr stabil bleibt
  • die geplante Belastungszeit absolviert ist
  • ein weiteres Intervall keinen zusätzlichen sinnvollen Nutzen mehr verspricht

Mehr ist auch beim HIIT nicht automatisch besser.

Mehr ist nicht automatisch besser

Fazit: HIIT ist ein starkes Werkzeug, aber kein vollständiges Trainingssystem

HIIT ist keine völlig neue Erfindung.

Intensives Intervalltraining gehört seit Jahrzehnten zum Ausdauersport. Moderne Forschung hat jedoch unser Verständnis dafür verbessert, wie unterschiedlich Intervalldauer, Intensität und Erholung wirken können.

Richtig eingesetzt kann HIIT:

  • die aerobe Leistungsfähigkeit verbessern
  • neue Trainingsreize setzen
  • trotz begrenzter Zeit wirksam sein
  • Geschwindigkeit und Belastungsverträglichkeit entwickeln
  • Abwechslung in das Training bringen
  • ein Leistungsplateau überwinden helfen

HIIT ersetzt aber weder das Grundlagentraining noch die spezifische Vorbereitung auf eine Mittel- oder Langdistanz.

Die Kunst liegt in der Kombination:

  • locker genug, um sich zu entwickeln
  • hart genug, um neue Reize zu setzen
  • spezifisch genug für das Wettkampfziel
  • individuell genug für den jeweiligen Athleten

Ein Triathlet, der schneller werden möchte, sollte hohe Intensitäten nicht grundsätzlich vermeiden.

Er sollte sie aber gezielt, vorbereitet und sinnvoll dosiert einsetzen.

In diesem Sinne:

Let’s HIIT the road – aber mit Plan.

Der nächste Schritt

Du möchtest HIIT sinnvoll in dein Training integrieren, ohne Grundlage, Regeneration und Wettkampfanforderungen aus den Augen zu verlieren?

Auf Ad Extremum findest du weitere Informationen zu meinem individuellen Triathlon Coaching und zu persönlich erstellten Trainingsplänen.

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Trainingslager

Trainingslager: Sinn oder Unsinn?

Text: Bennie Lindberg, Triathlon Trainer, Triathlon Coach
Erschienen im: Tritime Magazin

Wie schön kann das Sportlerleben doch sein: Nach einer schlafreichen ruhigen Nacht führt der erste Weg in den Speisesaal des Sporthotels. Während die Details des bevorstehenden Trainingstages das Gespräch zwischen den Tischnachbarn beherrschen, wird der Bärenhunger am reich gedeckten Frühstücksbuffet gestillt. Den ganzen Tag unter südlicher Sonne schwimmen, radeln und laufen, inmitten schöner Landschaften. Sportlerherz, was willst du mehr.

Kurze Stopps beim Bäcker oder einer leckeren Kaffeebar gönnen dem Körper während des Trainings eine erforderliche Ruhepause vor dem nächsten Ortsschildsprint oder dem langen Aufstieg zur Passhöhe. Die wenigen Stunden zwischen den Disziplinen sind geprägt von einem Mittagsschläfchen im Liegestuhl auf der Terrasse, ehe am Abend das Sportlerbuffet zum Aufladen der leeren Energiespeicher ruft. Der anstrengende Tag klingt mit einem kühlen alkoholfreien Getränk mit Gleichgesinnten aus.

So oder so ähnlich stellen sich viele Ausdauersportbegeisterte die Zeit in einem Trainingslager vor … und in aller Regel ist dies auch der Normalfall. Der Markt um die reise- und trainingswilligen Triathleten ist hart umkämpft. Die Zielgruppe profitiert dabei von Profis zum Anfassen, gut organisierten Trainingscamps, Pauschalreisen und etablierten Infrastrukturen für Individualreisende, aber auch und insbesondere durch ein abwechslungsreiches Trainingsangebot. Und das Schöne dabei ist, alle Teilnehmer können sich auf den wesentlichen Grund ihres Aufenthaltes konzentrieren: auf das Training! Aber ist auch jeder Trainingsurlaub tatsächlich sinnvoll? Die folgenden fünf Gründe sprechen jedenfalls dafür:

Trainieren mit Gleichgesinnten: Die meisten Hobbyathleten freuen sich tagtäglich auf das Training und die Ablenkung von den tagtäglichen kleinen und großen Problemen im Berufs- und Privatleben. Unter südlicher Sonne fühlen sich die meisten wie ein kleiner Triathlonprofi.

Optimale Trainingsbedingungen: Schlechtes Wetter, Regen, Schnee und Eis sowie überfüllte Hallenbäder sind des Triathleten größter Feind. Was gibt es Schöneres als direkt aus dem Bett in den Pool zu fallen, um anschließend auf gut geteerten und menschenleeren Straßen die wichtigen (Grundlagen-) Kilometer abzuspulen?

Abwechslung: Gerade die erfahrenen Ausdauersportler suchen immer wieder nach neuen Impulsen und Trainingsreizen, sei es durch höhere Umfänge und Intensitäten oder lange Kraft-am-Berg- und Koppeleinheiten. Außerdem bringen das gegenseitige Pushen in der Gruppe und gemeinsame Rumpf- und Stabiübungen im Kraftraum Spaß, Freude und Abwechslung in das Trainingsprogramm.

Erholung: Auch wenn dieser Punkt auf den ersten Blick widersprüchlich erscheint, spielt er im Trainingsplan eine eminent wichtige Rolle, denn Verpflichtungen im Haushalt, der Familie und im Freundeskreis fallen weg. Freiräume, die aktiv zur Erholung und Regeneration genutzt werden sollten.

Simulation der Wettkampfbedingungen: Ambitionierte Triathleten überlassen nichts dem Zufall und bereiten sich immer häufiger auf der Originalstrecke ihres Saisonhöhepunktes vor, um Körper und Geist auf die klimatischen und topografischen Verhältnisse optimal einzustellen.

Grundsätzliches

Auch wenn ein Trainingslager je nach Saisonziel grundsätzlich zu jeder Jahreszeit stattfinden kann, gibt es die meisten Reiseangebote für die Monate Januar bis April, wenn in Deutschland das Wetter nicht unbedingt zum Training in der freien Natur anregt. Wenn Sie sich für ein Trainingslager entscheiden, bedeutet dies auch, dass Sie sich in diesem Zeitraum ausschließlich auf den Sport konzentrieren: Dann sind Sportklamotten anstatt Blaumann oder Anzug angesagt. Auf das Abrufen von E-Mails oder die Annahme von dienstlichen Telefonaten sollten Sie ebenfalls verzichten, bedeutet doch eine schlechte Nachricht aus dem Büro zusätzlichen Stress. Wenn neben der körperlichen Belastung auch noch private und berufliche Anforderungen auf Sie zukommen, läuft Ihr Körper rund um die Uhr unter Volldampf und wichtige Zeit für die notwendige Regeneration geht verloren. Ihr Organismus kann die unterschiedlichen Stressarten nicht unterscheiden: Stress ist Stress. Für ihn ist ein Streitgespräch mit einem Kunden oder dem Vorgesetzten gleichbedeutend mit einem schnellen 10-Kilometer-Lauf. Sobald Ihr Kopf frei ist, sind Sie auch fähig, sich auf Ihre Trainingseinheit zu konzentrieren und über sich hinauszuwachsen. Wie viel mehr an Training Sie dann tatsächlich in den zwei Wochen vertragen können, ist sehr individuell und abhängig von vielen Faktoren wie dem allgemeinen Fitnesszustand, wie viele Kilometer Sie in den ersten Wochen des Jahres bereits hinter sich haben, aber auch davon, seit wann Sie Triathlon schon aktiv betreiben. So kann beispielsweise auch ein „relativ Untrainierter“ auf dem Rennrad viele Kilometer abspulen, solange die Intensitäten auch niedrig belieben. Ähnliches gilt auch für das Schwimmen, vorausgesetzt Sie beherrschen eine gute Technik. Laufumfänge sollten jedoch grundsätzlich nicht um 10 oder 20 Prozent erhöht werden, da das Verletzungsrisiko in dieser Disziplin einfach am größten ist. Im Trainingslager sollten Sie auch darauf achten, ab und zu intensive Geschwindigkeitselemente wie kurze Sprints ohne Laktatbildung einzubauen, ansonsten können Sie zwar wie eine Diesellok ewig lange laufen oder Rad fahren, nur schneller werden Sie nicht.

Idealer Zeitpunkt?

Was aber ist der beste Zeitpunkt für ein Trainingslager? Wenn Sie einfach nur Spaß an der Bewegung haben, können Sie jederzeit ein Trainingslager durchführen. Ein kurzer Aufenthalt in südlichen Gefilden im Dezember, Januar oder Februar bringt in den dunklen Wintermonaten Abwechslung und Motivation. Hauptsache wir trainieren nur ein bisschen mehr als zu Hause, denn für die Form des im Sommer stattfindenden Saisonhöhepunktes ist es ziemlich egal, ob Sie zwei Wochen bei 20 Grad Celsius Radfahren oder daheim mit dem Mountainbike durch den Schnee fahren. Auch ist zu berücksichtigen, dass sich Umfangsteigerungen von mehr als 50 Prozent häufig mit Erkältungen und Verletzungen rächen, zumal Sie diese hohen Umfänge nach Ihrer Heimkehr neben der Arbeit nicht aufrechterhalten können und sie somit – abgesehen von einem guten Gefühl – verpuffen lassen. Eine unnötig eingefangene Verletzung hingegen gefährdet die ganze Saison.

Wenn Sie nach dem Trainingslager die Umfänge bis zum Hauptwettkampf weiter steigern möchten, sollten Sie den Zeitpunkt so wählen, dass Sie direkt nach Ihrer Rückkehr unter guten Witterungsbedingungen weiter trainieren können. Ideal eignen sich für diese Zwecke die letzten Wochen im März und Anfang April. Der Schwerpunkt sollte dann beim Radfahren auf den hohen Umfängen mit niedrigen Intensitäten liegen, während das Schwimm- und Lauftraining in dieser Zeit leicht zurückgefahren wird und eher eine formerhaltende Wirkung hat.

Inhaltlich das schwierigste Trainingslager ist das Camp, in dem Sie sich auf Ihren Saisonhöhepunkt vorbereiten. Der optimale Zeitpunkt hierfür liegt drei bis sechs Wochen vor dem Wettkampf. Die Intensitäten sind hoch, Sie bringen fast täglich Höchstleistungen, müssen aber gleichzeitig cool bleiben und erkennen, wo Ihre Grenzen liegen. Ansonsten trainieren Sie sich „in den Keller“. Hier gilt die alte Weisheit: Ein Prozent zu viel Training ist weitaus schlimmer als zehn Prozent zu wenig. Endet das Trainingslager nur wenige Tage vor Ihrem Hauptrennen, achten Sie darauf, dass das Training zum Schluss nur noch dazu dient, die Muskelspannung zu halten (Stichwort Tapering, vgl. TRITIME 3/2012, Seite 74 ff.). Stressfreie Erholung ist dann der Schlüssel zum Erfolg.

Ernährung

Neben dem Training ist ein besonderes Augenmerk auch auf die Ernährung zu legen. In einem frühen Camp zum Saisonaufbau ist es – abgesehen von Junkfood und zu vielen Süßigkeiten – „ziemlich egal“, was Sie essen. Haben Sie bei einem halbwegs abwechslungsreichen Buffet keine Scheu „zuzuschlagen“ und bewahren Sie Ruhe, wenn nach Ihrer Rückkehr zu Hause beim Blick auf die Waage ein bis zwei Kilogramm zu viel angezeigt werden. Dabei handelt es sich in aller Regel nur um Flüssigkeit, die der Körper gebunkert hat. Schließlich hat sich Ihr Organismus an die höhere körperliche Belastung gewöhnt und ein paar Reserven für die anstehenden Belastungen aufgebaut.

Wenn Sie sich auf einen Wettkampf vorbereiten, wird die Sache mit der Ernährung natürlich etwas komplizierter. Während die Umfänge langsam gedrosselt werden, erhöhen sich die Intensitäten. Der Körper schreit nach Kohlenhydraten. Dabei sollten Sie beachten, dass zu viel aufgenommene Kohlenhydrate in Fett umgewandelt und als Reserve gespeichert werden, was wiederum kontraproduktiv zur Gewichtsoptimierung ist. In meiner langjährigen Erfahrung als Trainer und Athlet hat sich folgendes Prinzip bewährt: Nehmen Sie unmittelbar nach dem Training mindestens 100 Gramm Kohlenhydrate zu sich und essen Sie während der normalen Mahlzeiten insgesamt etwas weniger als normal, dafür aber mit reichlich Proteinen. Und dann das Wichtigste: Essen Sie während der langen Trainingseinheiten etwa so viel, wie Sie auch im Wettkampf zu sich nehmen würden. So stellen Sie sicher, das die Intensitäten hoch bleiben und Sie gleichzeitig auch den „Magen- und Verdauungstrakt“ trainieren.

Train hard, stay fit and have fun!

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