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Was mich als Coach geprägt hat

Finnland, Profisport, extreme Wettkämpfe und jahrzehntelange Arbeit mit Menschen – warum Coaching für mich weit mehr ist als Trainingswissenschaft.

Bennie Lindberg beim Ironman Hawaii 1994

Letzte Woche war ich für einen Kurzbesuch in Finnland. Auf dem Rückflug nach Deutschland hatte ich irgendwann Zeit zum Nachdenken.

Ich habe mich gefragt: Was hat mich eigentlich als Coach geprägt?

Sind es die vielen Trainingsjahre? Die Wettkämpfe? Die Menschen, mit denen ich gearbeitet habe? Die Fehler? Die Abenteuer? Meine Herkunft aus Finnland? Oder einfach die Summe aus all diesen Erfahrungen?

Wahrscheinlich genau das.

Ein Coach entsteht für mich nicht nur durch Ausbildung, Trainingswissenschaft oder das Lesen von Studien. Er entsteht auch durch Erlebnisse. Durch Situationen, in denen ein Plan funktioniert. Und durch Situationen, in denen er nicht funktioniert. Durch Menschen, die völlig anders reagieren als erwartet. Durch eigene Grenzen. Und durch viele Jahre, in denen man lernt, genauer hinzusehen.

Finnland hat mich stärker geprägt, als mir früher bewusst war

Wenn man lange in einem anderen Land lebt, merkt man manchmal erst mit Abstand, welche Dinge man aus seiner Heimat mitgenommen hat.

Finnland hat mich geprägt. Nicht durch eine einzelne Trainingsmethode, sondern eher durch eine bestimmte Haltung: Klarheit, Pragmatismus, Selbstständigkeit und vielleicht auch die Fähigkeit, Dinge einfach zu machen, ohne sie unnötig kompliziert zu reden.

Vielleicht kommt daher ein Teil meiner Coaching-Philosophie.

Ich brauche keine zwanzig Methoden, wenn drei funktionieren. Ich brauche keine spektakuläre Trainingseinheit, wenn zehn unspektakuläre Einheiten langfristig mehr bewirken. Und ich brauche keine großen Versprechen.

Ich möchte verstehen, was ein Athlet wirklich braucht, und dann möglichst klar daran arbeiten.

Diesen Ansatz fasse ich heute gerne unter The Nordic Edge zusammen. Für mich ist das kein starres System und keine besondere Trainingsmethode, sondern eine Haltung: klar, individuell, langfristig und ohne unnötige Komplexität.

Mein eigener Körper war mein erstes Labor

Bevor ich andere Menschen trainiert habe, habe ich viele Jahre am eigenen Körper gelernt.

Was passiert, wenn der Trainingsumfang steigt? Wie reagiert der Körper auf Intensität? Wie lange dauert echte Anpassung? Wann entsteht Fortschritt? Und wann entsteht eigentlich nur Müdigkeit?

Als junger Athlet denkt man häufig, mehr sei automatisch besser. Mehr Kilometer, mehr Stunden, mehr Intensität.

Mit Erfahrung verändert sich diese Sicht.

Man versteht, dass Training nicht nur daraus besteht, Belastung zu erzeugen. Training besteht genauso daraus, Belastung zu verarbeiten.

Diese Erkenntnis beeinflusst mein Coaching bis heute.

Deshalb glaube ich auch nicht an pauschale Wochenstunden, die automatisch zu einer bestimmten Leistung führen.

Ein Athlet entwickelt sich vielleicht mit zwölf gut geplanten Stunden hervorragend. Ein anderer braucht mehr. Ein Dritter trainiert bereits zu viel.

Die Zahl allein sagt wenig.

Entscheidend ist, was der Körper aus dem Training machen kann.

Wettkämpfe lehren Dinge, die kein Lehrbuch vollständig erklären kann

Wettkämpfe waren für mich immer ein wichtiger Teil des Lernens.

Triathlon, lange Ausdauerwettkämpfe und extreme Veranstaltungen bringen Menschen in Situationen, die im normalen Training nur schwer vollständig simuliert werden können.

Müdigkeit verändert Entscheidungen. Hitze verändert Tempo und Wahrnehmung. Ein schlechter Moment kann plötzlich riesig wirken. Ein Plan, der morgens perfekt erschien, kann am Nachmittag nicht mehr passen.

Genau dann wird Erfahrung wichtig.

Ich habe gelernt, dass ein Wettkampf selten exakt so abläuft, wie man ihn vorher geplant hat. Man braucht deshalb nicht nur einen guten Plan, sondern auch die Fähigkeit, ihn im richtigen Moment anzupassen.

Gerade bei sehr langen Belastungen lernt man außerdem etwas Entscheidendes: Ein schlechter Moment ist nicht automatisch das Ende.

Manchmal muss man Tempo herausnehmen. Essen. Trinken. Ruhig bleiben. Neu bewerten. Und dann weitermachen.

Diese Erfahrungen haben meine Sicht auf mentale Stärke wahrscheinlich stärker geprägt als jede theoretische Definition.

Die Menschen haben mich wahrscheinlich am meisten gelehrt

Nach vielen Jahren Coaching ist eine Erkenntnis für mich besonders klar:

Menschen sind viel unterschiedlicher, als Trainingspläne vermuten lassen.

Zwei Athleten können dieselbe Leistung haben und trotzdem völlig unterschiedlich trainiert werden müssen.

Der eine liebt Struktur, der andere braucht etwas mehr Freiheit. Der eine verträgt große Trainingsumfänge, der andere reagiert besser auf weniger Training mit klar gesetzten Reizen. Der eine wird durch eine Trainingsgruppe stärker, während der andere darin jede lockere Einheit unbewusst zu einem Wettkampf macht.

Auch mental unterscheiden sich Athleten enorm.

Manche brauchen Motivation und Vertrauen. Andere müssen eher gebremst werden. Einige möchten jedes Detail verstehen, andere brauchen vor allem Klarheit darüber, was heute zu tun ist.

Ein guter Coach muss deshalb nicht nur Physiologie verstehen.

Er muss Menschen beobachten. Zuhören. Fragen stellen. Und irgendwann erkennen, welche Lösung zu genau diesem Menschen passt.

Interner Link: Trainingsplanung im Triathlon – Talent, Ziel und Alltag

Genau darin liegt für mich der große Unterschied zwischen einem Trainingsplan und Coaching.

Ein Trainingsplan beschreibt, was theoretisch passieren soll.

Coaching beschäftigt sich damit, was tatsächlich passiert.

Fehler gehören zur Erfahrung

Wenn jemand seit Jahrzehnten im Sport arbeitet, klingt das Wort Erfahrung häufig so, als hätte man irgendwann alles richtig gemacht.

Das stimmt natürlich nicht.

Erfahrung entsteht auch dadurch, Dinge falsch einzuschätzen.

Zu viel zu trainieren. Zu wenig zu regenerieren. Zu früh intensiv zu werden. Ein Ziel falsch einzuschätzen. Einen Athleten nicht richtig zu verstehen. An einer Idee zu lange festzuhalten oder manchmal auch zu schnell etwas Neues auszuprobieren.

Ich glaube deshalb:

Erfahrung ist nicht die Anzahl der Jahre, die man etwas gemacht hat. Erfahrung ist das, was man aus diesen Jahren gelernt hat.

Fehler gehören dazu.

Entscheidend ist, sie zu erkennen, daraus zu lernen und die nächste Entscheidung besser zu treffen.

Das gilt für den Athleten genauso wie für den Coach.

Vieles hat sich verändert – der Mensch erstaunlich wenig

Als ich mit Ausdauersport angefangen habe, sah die Welt völlig anders aus.

Heute verfügen wir über Wattmessung, GPS, moderne Leistungsdiagnostik, Trainingsplattformen, Carbonmaterialien, aerodynamische Optimierung, Apps und inzwischen auch künstliche Intelligenz.

Wir können unglaublich viel messen und analysieren.

Das ist gut, und ich nutze moderne Möglichkeiten gerne dort, wo sie tatsächlich helfen.

Trotzdem hat sich eine Sache erstaunlich wenig verändert:

der Mensch.

Wir brauchen Belastung und Erholung. Wir werden müde. Wir zweifeln. Wir überschätzen uns und manchmal unterschätzen wir uns. Wir vergleichen uns mit anderen. Manchmal brauchen wir jemanden, der uns fordert. Manchmal jemanden, der uns bremst.

Und manchmal braucht ein Athlet einfach jemanden, der sagt:

Bleib ruhig. Du bist auf dem richtigen Weg.

Technologie kann Coaching deshalb hervorragend unterstützen.

Sie ersetzt aber nicht die Fähigkeit, einen Menschen zu verstehen.

Mit den Jahren verändert sich auch die Sicht auf Leistung

Früher war Leistung für mich relativ einfach messbar.

Zeit. Platzierung. Geschwindigkeit. Ergebnis.

Heute sehe ich Leistung breiter.

Natürlich geht es bei ambitionierten Athleten weiterhin darum, schneller zu werden. Aber gutes Coaching muss auch fragen, wie lange ein Athlet diese Entwicklung fortsetzen kann.

Bleibt er gesund? Passt das Training in sein Leben? Kann er sich ausreichend erholen? Hat er noch Freude daran? Und was passiert nach dem nächsten Wettkampf?

Je länger ich im Sport bin, desto wichtiger wird für mich langfristige Entwicklung.

Ein schneller Erfolg, der anschließend in Verletzung, Überforderung oder Motivationsverlust endet, ist für mich kein besonders gutes Coaching.

Auch meine eigene Entwicklung hat diese Sicht verändert.

Heute trainiere ich anders als während meiner Profizeit. Der Körper verändert sich, die Ziele verändern sich – aber die Bedeutung von Bewegung bleibt.

Was mich heute als Coach ausmacht

Wenn ich die Frage vom Rückflug aus Finnland heute beantworten müsste, könnte ich keine einzelne Sache nennen.

Mich prägt die Summe.

Finnland. Profisport. Triathlon. Wettkämpfe. Extremsport. Trainingswissenschaft. Eigene Fehler. Erfolge und Niederlagen. Älterwerden. Und vor allem die vielen unterschiedlichen Menschen, mit denen ich über die Jahre arbeiten durfte.

Daraus ist eine Haltung entstanden, die sich eigentlich recht einfach zusammenfassen lässt:

individuell statt nach Schema, langfristig statt hektisch, klar statt unnötig kompliziert, konsequent aber nicht stur – und ambitioniert, ohne Gesundheit und Leben aus den Augen zu verlieren.

Vielleicht ist genau das für mich The Nordic Edge.

Nicht die eine geheime Trainingsmethode.

Sondern die Fähigkeit, Erfahrung, Wissen und Menschenkenntnis so miteinander zu verbinden, dass am Ende ein Weg entsteht, der wirklich zu diesem Athleten passt.

Für mich ist Coaching die Summe vieler Erfahrungen

Ein guter Coach wird nicht nur durch Bücher, Ausbildungen oder eigene Wettkampfergebnisse geprägt.

Wichtig ist, was man aus all diesen Dingen macht.

Welche Fragen man stellt. Welche Fehler man nicht zweimal macht. Wie gut man Menschen beobachten kann. Und ob man bereit ist, auch nach vielen Jahren weiterzulernen.

Vielleicht war genau das mein Gedanke im Flugzeug:

Je länger ich Coach bin, desto weniger glaube ich an einfache Antworten.

Training kann wissenschaftlich sehr komplex sein.

Gutes Coaching muss sich für den Athleten trotzdem klar anfühlen.

Das ist für mich heute wahrscheinlich eine der wichtigsten Aufgaben eines Trainers.

Der nächste Schritt

Du möchtest wissen, wie ich diese Erfahrungen heute in der täglichen Arbeit mit Athleten einsetze?

Auf Ad Extremum findest du alle Informationen zu meinem individuellen Triathlon Coaching.