Meine Trainerausbildung in Finnland – vom Triathleten zum Berufstrainer

Wenn man sich in Deutschland nach einem Triathlontrainer umsieht, begegnet man häufig den Bezeichnungen Trainer C, B oder A. Meine eigene Trainerausbildung habe ich allerdings in Finnland absolviert. Dort ist das System etwas anders aufgebaut.
Schon während meiner aktiven Triathlonkarriere hatte ich die finnischen C- und B-Trainerlizenzen erworben. Diese Ausbildung gab mir das fachliche Fundament und auch das Selbstvertrauen, andere Athleten zu betreuen – darunter später Stefan Holzner.
1998 schloss ich schließlich den weiterführenden finnischen Berufstrainerabschluss Valmentajan erikoisammattitutkinto (VEAT) ab. Das englischsprachige Diplom trägt die Bezeichnung Specialist Qualification of Coach.
Hinter diesem Abschluss steckt eine Geschichte, die inzwischen fast 30 Jahre zurückliegt.
Die erste finnische Berufstrainerausbildung für den Spitzensport
1996 bekam ich die Möglichkeit, an einem neuen finnischen Ausbildungsprogramm für erfahrene Leistungssporttrainer teilzunehmen.
Das Auswahlverfahren war damals ziemlich anspruchsvoll. Man musste bereits eine entsprechende Trainerausbildung, praktische Berufserfahrung und internationale Erfolge als Trainer vorweisen können.
Ich hatte zu diesem Zeitpunkt unter anderem Stefan Holzner betreut, der 1994 den Ironman Neuseeland gewonnen hatte. Das dürfte bei meiner Bewerbung sicherlich geholfen haben.
Insgesamt waren wir nur zehn Teilnehmer. Die anderen Trainer waren nach meiner Erinnerung beim finnischen Olympischen Komitee oder beim finnischen Leichtathletikverband SUL angestellt.
Auch mein eigener Trainer Seppo Nuuttila, der in Finnland über Jahrzehnte eine bekannte Persönlichkeit im Leistungssport war, gehörte zu den Menschen, die meinen sportlichen und späteren beruflichen Weg geprägt haben.
Für mich war es eine besondere Gelegenheit, mit Trainern aus anderen Sportarten zusammenzuarbeiten und ihre Erfahrungen kennenzulernen.
Was gehörte zur Ausbildung?
Die Ausbildung fand am finnischen Sportinstitut Suomen Urheiluopisto in Vierumäki statt. Der vorbereitende Lehrgang dauerte vom 9. Oktober 1996 bis zum 21. Oktober 1997 und umfasste 20 Studienwochen.
Die Inhalte gingen weit über die Trainingsplanung einer einzelnen Sportart hinaus.
Wir beschäftigten uns unter anderem mit Trainingswissenschaft, Krafttraining, Sportphysiologie, Sportmedizin, Ernährung, Trainingspsychologie und Trainingssteuerung.
Ein weiterer Schwerpunkt war die Führung von Athleten und Trainingsgruppen. Dazu gehörten Kommunikation, soziale Fähigkeiten und die Frage, wie man Menschen über längere Zeit begleitet und entwickelt.
Auch sportartspezifische Aufgaben und praktische Trainerarbeit waren Bestandteil der Ausbildung.
Besonders interessant fand ich den Austausch zwischen den verschiedenen Sportarten. Denn viele Prinzipien erfolgreichen Trainings sind nicht auf Triathlon beschränkt.
Mein Abschluss als finnischer Berufstrainer
Am 9. Januar 1998 erhielt ich mein finnisches Abschlusszeugnis über den Valmentajan erikoisammattitutkinto (VEAT).
Am 14. Mai 1998 wurde zusätzlich das englischsprachige Diplom ausgestellt: Specialist Qualification of Coach.
Der Abschluss erfolgte nach den damaligen finnischen gesetzlichen Bestimmungen für berufliche Qualifikationen und den vom finnischen Bildungsamt bestätigten Prüfungsgrundlagen.
Geprüft wurden vier zentrale Kompetenzbereiche:
- Trainingsmethoden
- Sportartspezifische Fachkompetenz und Weiterentwicklung
- Soziale Fähigkeiten und Führung
- Gesundheitsförderung
Es handelte sich also nicht lediglich um eine Teilnahmebescheinigung eines Lehrgangs, sondern um einen eigenständigen beruflichen Trainerabschluss.

Mein englischsprachiges Abschlussdiplom von 1998: Specialist Qualification of Coach, ausgestellt in Vierumäki, Finnland.
Leider habe ich aus der damaligen Ausbildungszeit kaum Fotos. Das war noch lange vor den Smartphones. Und wer hätte damals gedacht, dass solche Bilder einmal so wertvoll werden könnten?
Zum Glück sind wenigstens die Originalzeugnisse erhalten geblieben.
Endlich ein richtiger Beruf!
Mit dem Abschluss hatte ich 1998 endlich auch einen richtigen Beruf in der Tasche. Nicht nur meinen Magisterabschluss in internationalem Marketing und Wirtschaft, sondern etwas Handfestes. 😉
Seitdem bin ich selbstständig als Trainer tätig.
Natürlich bedeutet ein Diplom nicht, dass man anschließend alles weiß. Ganz im Gegenteil. Je länger ich als Trainer arbeite, desto mehr wird mir bewusst, wie viel es noch zu lernen gibt.
Ich bin von Natur aus neugierig. Mich interessiert, warum Training funktioniert, weshalb Menschen unterschiedlich auf dieselben Belastungen reagieren und was wir aus neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen für die Praxis lernen können.
Deshalb beschäftige ich mich bis heute täglich mit Training, Sportwissenschaft und der Frage, wie wir Menschen eigentlich funktionieren.
Als selbstständiger Trainer muss ich mein Wissen ständig weiterentwickeln. Nicht, weil ich regelmäßig eine Lizenz verlängern oder weitere Zertifikate sammeln muss, sondern weil meine Athleten erwarten dürfen, dass ich auf dem aktuellen Stand bin.
Ich halte auch gerne Vorträge und Seminare über Training und sportwissenschaftliche Themen. Dabei lerne ich oft selbst etwas dazu. Denn gute Fragen bringen einen manchmal weiter als fertige Antworten.
Wie unterscheidet sich das finnische vom deutschen Trainerausbildungssystem?
Der finnische Triathlonverband arbeitet heute mit drei verbandlichen Ausbildungsstufen.
Vereinfacht lässt sich das mit dem deutschen System vergleichen:
Finnland / Deutschalnd
Trainer Stufe 1 / Trainer C
Trainer Stufe 2 / Trainer B
Trainer Stufe 3 / Trainer A
Diese Gegenüberstellung beschreibt die ungefähre Ausbildungsstufe, nicht eine offizielle gegenseitige Anerkennung der Lizenzen.
Zusätzlich gibt es in Finnland berufliche Trainerqualifikationen.
Der Valmentajan ammattitutkinto (VAT) ist ein beruflicher Trainerabschluss. Der Valmentajan erikoisammattitutkinto (VEAT) ist die weiterführende berufliche Spezialqualifikation.
Mein VEAT-Abschluss war auf die professionelle Arbeit im Leistungs- und Spitzensport ausgerichtet.
Eine direkte Gleichsetzung mit einer deutschen Trainer-A-Lizenz oder dem Diplom-Trainer-Abschluss wäre allerdings nicht korrekt. Dafür unterscheiden sich die Ausbildungssysteme zu stark.
Was bedeutet diese Ausbildung für meine heutige Arbeit?
Meine Trainerausbildung hat mir ein solides fachliches Fundament gegeben. Aber die eigentliche Entwicklung als Trainer findet für mich seitdem jeden Tag statt.
In über 35 Jahren als Trainer habe ich Athleten mit ganz unterschiedlichen Voraussetzungen, Zielen und Persönlichkeiten betreut. Vom Einsteiger bis zum international erfolgreichen Leistungssportler.
Dabei habe ich gelernt, wissenschaftliche Erkenntnisse, praktische Erfahrung und mein eigenes Gefühl für den Menschen miteinander zu verbinden.
Manches, was damals als richtig galt, sieht man heute anders. Und manches, was vor 30 Jahren funktioniert hat, funktioniert erstaunlicherweise noch immer.
Für mich ist entscheidend, dass ein Trainer nicht nur weiß, wie Training theoretisch funktioniert. Er muss auch verstehen, wie der Mensch vor ihm funktioniert.
Denn ein Trainingsplan kann auf dem Papier perfekt sein und trotzdem nicht zum Athleten passen.
Das gilt für einen ambitionierten Ironman-Teilnehmer genauso wie für jemanden, der gerade erst mit Triathlon beginnt.
Meine Ausbildung hat mir das fachliche Fundament gegeben. Die tägliche Arbeit mit Athleten und meine Neugier haben daraus über die Jahre meine eigene Art des Coachings gemacht.
Mehr über mein heutiges individuelles Triathlon-Coaching erfährst du auf: Ad Extremum – Triathlon Coaching.
Weiterführende Informationen: Suomen Triathlonliitto – Trainerausbildung
