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Erinnerungen…

In Gedanken von Dr. Ulrich Strunz und Vera F. Birkenbihl

Oft trifft man im Leben Menschen, die einen berühren. Menschen, die bleiben. In Gedanken, in Erinnerungen, in kleinen Sätzen, in gemeinsamen Momenten. Man könnte sagen: Sie hinterlassen Spuren.

Leider ist kürzlich wieder so ein Mensch gegangen: Dr. Ulrich Strunz. Für die Öffentlichkeit war er Dr. Strunz. Für mich war er einfach Uli.

Und bei Vera F. Birkenbihl war es ähnlich. Für viele war sie Frau Birkenbihl, Autorin, Trainerin, Denkerin, Fernsehgast. Für mich war sie Vera — obwohl wir uns gesiezt haben. Das war bei ihr so ein Zwischending, mit dem sie sich offenbar wohlfühlte. Nähe, aber mit Form. Persönlich, aber nicht vereinnahmend.

Uli und Vera waren für mich solche Menschen.

Beide waren auf ihre Weise Ikonen. Nicht, weil sie perfekt waren. Sondern weil sie etwas ausstrahlten, das selten ist: Energie, Eigenständigkeit, Präsenz und die Fähigkeit, andere Menschen zu inspirieren.

Sie hatten eine Botschaft. Sie hatten eine Bühne. Und vor allem hatten sie eine Wirkung, die weit über ihre Bücher, Seminare und Auftritte hinausging.

Heute würde man sagen: Sie waren Influencer.

Nur gab es dieses Wort damals noch nicht in dieser Form. Vor 25 Jahren gab es kein Instagram, keine täglichen Reels, keine algorithmisch verstärkten Kurzmeinungen. Und trotzdem hatten Menschen wie Uli und Vera genau das, was heutige Influencer oft mühsam aufzubauen versuchen: eine klare Stimme, eine erkennbare Haltung, eine persönliche Marke — und die Fähigkeit, Menschen innerlich und äußerlich in Bewegung zu bringen.

Bei Uli war es im wahrsten Sinne des Wortes Bewegung.

Viele verbinden ihn mit Laufen, Energie, Ernährung, Gesundheit und Eigenverantwortung. Auch ich habe ihn so erlebt: als jemanden, der Menschen motivieren konnte, aufzustehen, loszulaufen und wieder mehr Verantwortung für den eigenen Körper zu übernehmen.

Ich durfte bei seinen Seminaren helfen und bin mit ihm gemeinsam gelaufen. Dabei habe ich ihn nicht nur als öffentliche Figur erlebt, sondern auch als Menschen. Und genau diese persönlichen Begegnungen bleiben oft stärker in Erinnerung als jede große Bühne.

Der Respekt war immer da. Auf höchster Ebene.

Und ich möchte eines besonders hervorheben: Uli war sehr generös — jedenfalls mir gegenüber. Ob das für alle galt, kann ich nicht beurteilen. Aber in meiner persönlichen Erfahrung war es so.

Als ich Ende der 90er- und Anfang der 2000er-Jahre sportlicher Leiter beim TSV Roth war, hat er mein Trainerhonorar persönlich aus eigener Tasche bezahlt. Das war keine Selbstverständlichkeit. Es war eine Geste, die ich bis heute nicht vergessen habe.

Solche Dinge zeigen eine Seite eines Menschen, die man von außen oft nicht sieht. Öffentliche Persönlichkeiten werden schnell auf Thesen, Auftritte oder Schlagzeilen reduziert. Aber Menschen sind nie nur das, was sie auf der Bühne sagen. Sie bestehen auch aus Gesten, Begegnungen, Momenten und Entscheidungen, die im Stillen passieren.

Eine Szene ist mir besonders im Gedächtnis geblieben. Es war während eines unserer langen gemeinsamen Läufe, in einer Zeit, in der Uli das Vorfußlaufen stark propagierte. Irgendwann sagte ich zu ihm: „Aber du läufst ja nicht einmal selbst Vorfuß.“

Seine Antwort war sinngemäß: „Manche Dinge muss man übertrieben einfach sagen, damit die Menschen es glauben.“

Dieser Satz hat mich lange begleitet.

Nicht als Vorwurf, sondern als Einblick. Wer viele Menschen erreichen will, muss Botschaften verständlich machen. Wer Menschen bewegen will, braucht Klarheit, Bilder und manchmal auch starke Vereinfachungen. Genau darin lag ein Teil seiner Kraft: Er konnte komplexe Themen so formulieren, dass Menschen ins Handeln kamen.

Natürlich ist jede Vereinfachung auch eine Gratwanderung. Aber sie kann Menschen erreichen, die sonst vielleicht nie anfangen würden. Und das war eine seiner großen Fähigkeiten: Er brachte Menschen ins Tun.

Vera war anders. Auch sie war eine Ikone, aber auf einem anderen Feld: Lernen, Denken, Sprache, Kommunikation, Gehirn. Ich habe sie mehrere Jahre trainiert. Ihre Art zu denken war ungewöhnlich, lebendig, manchmal sprunghaft, aber fast immer anregend. Sie öffnete Türen im Kopf.

Sie schrieb unzählige Bücher, verkaufte sie massenhaft, füllte ganze Seminarreihen und war regelmäßig im Bayerischen Fernsehen zu sehen. Auch sie war eine Influencerin, lange bevor man dieses Wort benutzte. Sie beeinflusste nicht über Selfies oder kurze Clips, sondern über Gedanken, Sprache, Humor, Provokation und Wissen.

Manchmal spielte sie für mich Musik. Manchmal unterhielten wir uns über Backgammon. Und manchmal wurde es ganz praktisch: Ich habe sogar Kleidung für sie gekauft. Wenn ich heute alte Videos von ihr anschaue, erkenne ich oft Kleidungsstücke wieder, die ich damals für sie besorgt habe. Das ist jedes Mal irgendwie witzig.

Typisch Vera war auch: Wenn sie etwas Passendes gefunden hatte, wollte sie davon am liebsten gleich fünf Stück haben. Nicht aus Eitelkeit, sondern eher aus pragmatischer Konsequenz. Wenn etwas funktionierte, warum sollte man dann weiter suchen?

Sehr oft sprachen wir über Sprachen. Sie sagte, sie beschäftige sich mit 17 Sprachen und spreche angeblich 10 davon. Ob diese Zahlen am Ende exakt waren, war für mich gar nicht das Entscheidende. Entscheidend war, wie sie über Sprache dachte: als Zugang zur Welt, als Denkwerkzeug, als Spielraum für Intelligenz.

Und gerade das machte Begegnungen mit ihr so besonders. Gespräche mit Vera konnten in viele Richtungen laufen. Sprache, Lernen, Denken, Spiele, Alltagsbeobachtungen — alles konnte plötzlich zu einem Gedankenexperiment werden.

Gleichzeitig war sie sehr menschlich. Sie wusste, dass Bewegung wichtig war, und suchte trotzdem manchmal nach kreativen Wegen, den Alltag als Training zu betrachten. Sie fragte mich zum Beispiel, ob Einkaufen nicht auch als Training eingestuft werden könne. Selbst beim Wohnwagenfahren trug sie einen Pulsmesser, um zu kontrollieren, ob das vielleicht doch als Training zählen könnte.

Das war witzig, liebenswert und sehr menschlich.

Denn genau darin liegt eine Wahrheit, die für uns alle gilt: Der Kopf kann brillant sein, aber der Körper bleibt ehrlich. Man kann Argumente bauen, Theorien entwickeln, Seminare füllen, Bücher schreiben und andere Menschen inspirieren. Aber man kann den eigenen Körper nicht dauerhaft überlisten.

Was mich an beiden bis heute berührt, ist nicht die Frage, ob sie immer recht hatten. Das ist bei prägenden Menschen oft gar nicht der entscheidende Punkt.

Entscheidend ist etwas anderes: Sie haben etwas ausgelöst.

Sie haben Menschen bewegt. Zum Laufen. Zum Denken. Zum Lernen. Zum Fragen. Zum Ausprobieren.

Und vielleicht ist genau das die schönste Spur, die ein Mensch hinterlassen kann.