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Wie ich Triathlon Trainer wurde: Ein Unfall, Neuseeland und Stefan Holzner

Mein Weg zum Triathlon Trainer und Coach fang 1994 an

1993 war ich aktiver Profi-Triathlet. Mein sportliches Ziel waren internationale Rennen, schnelle Zeiten und die Frage, wie weit ich meine eigene Leistung noch entwickeln konnte.

Dass ich wenig später meine eigentliche Berufung als Triathlon Trainer finden würde, war nicht geplant.

Der Weg dorthin begann in einem Triathloncamp auf Lanzarote. Er führte über einen schweren Unfall im Engadin, eine improvisierte Schwimmhilfe in Neuseeland und einen jungen Athleten aus Bad Reichenhall, der zunächst nicht einmal wusste, wie man einen kaputten Fahrradschlauch wechselt.

Als Profi-Triathlet im Club La Santa

1993 war ich als sportlicher Leiter bei einem Triathloncamp im Club La Santa auf Lanzarote.

Zu diesem Zeitpunkt besaß ich bereits die finnischen Trainerlizenzen C und B. Außerdem hatte ich jahrelang mit der finnischen Triathlon-Trainerlegende Seppo „Nitti“ Nuuttila trainiert. Sein Wissen, seine Denkweise und seine Art des Coachings haben meinen eigenen Stil stark geprägt.

Trotzdem sah ich mich damals in erster Linie als Athlet und noch nicht als Trainer.

Mein Deal für das Camp war einfach: Ich hielt Vorträge und coachte die Teilnehmer beim Schwimmen. Rad- oder Laufgruppen wollte ich dagegen nicht führen, denn ich musste mein eigenes Training absolvieren. Wer mithalten konnte, durfte aber gerne mitkommen.

Einer der Teilnehmer nahm dieses Angebot besonders ernst: Stefan Holzner aus Bad Reichenhall.

Stefan trainierte praktisch jede Einheit mit mir. Das beeindruckte mich, denn er war im Triathlon noch so unerfahren, dass er nicht einmal wusste, wie man einen kaputten Fahrradschlauch wechselt. Gleichzeitig war offensichtlich, dass er Talent, Ehrgeiz und eine enorme Bereitschaft zum Arbeiten mitbrachte.

Damals konnte keiner von uns ahnen, wohin diese Begegnung führen würde.

Der Unfall, der meine Profikarriere beendete

Nach dem Camp flog ich nach Australien, trainierte dort weiter und startete beim Ironman. Über die 3,8 Kilometer Schwimmen kam ich in etwa 47 Minuten aus dem Wasser.

Der sportliche Höhepunkt des Jahres sollten für mich die Europameisterschaften über die Langdistanz in Embrun werden. Zur Vorbereitung fuhr ich mit meinem Team ins Engadin, um in der Höhe zu trainieren.

Dort veränderte ein schwerer Unfall mein Leben.

Ich war mit dem Rad und Rückenwind unterwegs, als ein Auto vor mir abbog. Der Fahrer hatte mich nicht kommen sehen. Ich prallte mit hoher Geschwindigkeit auf das Fahrzeug.

Bei dem Unfall verlor ich die komplette Streckmuskulatur der Finger und des Handgelenks meiner rechten Hand. Ich konnte mein Handgelenk nicht mehr stabilisieren und meine Finger nicht mehr selbstständig strecken.

Damit war meine Profikarriere als Triathlet praktisch beendet.

Nach dem Unfall schwamm ich über 3,8 Kilometer fünf bis sieben Minuten langsamer als zuvor. Die verlorene Muskulatur war ein Problem, noch entscheidender war aber die fehlende Koordination im rechten Arm. Mit meinem eher begrenzten natürlichen Talent war es unter diesen Voraussetzungen nicht mehr möglich, mich dauerhaft als Triathlonprofi zu behaupten.

Aber das ist eine andere Geschichte.

Eigentlich hatte ich einen anderen Plan

Für die Zeit nach meiner Triathlonkarriere hatte ich ursprünglich einen ganz anderen Weg vorgesehen.

Noch bevor ich Profi-Triathlet wurde, hatte ich an der Svenska Handelshögskolan in Helsinki einen Magisterabschluss in internationalem Marketing gemacht. Mein Plan war, nach dem Ende meiner sportlichen Laufbahn in diesem Bereich zu arbeiten.

Das Problem war nicht, dass mir eine berufliche Perspektive fehlte. Das Problem war, dass das Ende meiner Triathlonkarriere durch den Unfall so plötzlich kam.

Ich hatte innerlich noch nicht mit dem Leistungssport abgeschlossen. Von einem Moment auf den anderen sollte etwas vorbei sein, das meinen Alltag, meine Ziele und meine Identität über Jahre bestimmt hatte. Geistig war ich noch nicht bereit, den Triathlon einfach hinter mir zu lassen.

Deshalb wollte ich noch eine Zeit lang im Sport bleiben. Der Ironman in Neuseeland war für mich nicht nur ein weiterer Wettkampf, sondern auch eine Möglichkeit, trotz des Unfalls noch einmal zu trainieren, Teil des Triathlonsports zu sein und herauszufinden, wie es weitergehen konnte.

Dass ich dabei fast unbemerkt von der Rolle des Athleten in die Rolle des Coaches hineinwachsen würde, wusste ich damals noch nicht.

Ein Anruf aus Bad Reichenhall

Einige Monate nach dem Unfall rief Stefan mich an. Er fragte, ob ich nicht für ein paar Tage nach Bad Reichenhall kommen und mit ihm trainieren wolle. Es muss irgendwann im Oktober gewesen sein.

Während dieses Aufenthalts entstand die Idee, den folgenden europäischen Winter gemeinsam in Neuseeland zu verbringen. Wir wollten dort trainieren und anschließend beim Ironman New Zealand starten.

In Christchurch wurde schnell klar, dass Stefan im Grunde dasselbe Training absolvierte wie ich. So wurde aus dem Trainingspartner nach und nach mein erster Athlet.

Ich hatte durch meine Trainerlizenzen, die Zusammenarbeit mit „Nitti“ Nuuttila und meine eigene Laufbahn bereits viel Wissen und Erfahrung. Aber erst in der täglichen Arbeit mit Stefan begann ich zu verstehen, was es wirklich bedeutet, einen anderen Athleten zu begleiten.

Schwimmen mit einer selbst gebauten Handplatte

1994 hatte ich meine letzte Rekonstruktionsoperation noch nicht hinter mir. Mein rechtes Handgelenk war instabil, und ich konnte meine Finger nicht strecken.

Not macht erfinderisch.

Für das Schwimmen baute ich mir eine kleine, etwa handgroße Platte – ähnlich einem Swim Paddle. Ich befestigte sie mit einem Gummiband an meinem Mittelfinger. Dadurch blieb die Handfläche beim Zug einigermaßen stabil und ich konnte überhaupt schwimmen.

Vom Veranstalter erhielt ich dafür eine Sondergenehmigung.

Beim Radfahren und Laufen trug ich eine feste Manschette, ähnlich einer Stütze, wie sie bei einer Sehnenentzündung verwendet wird. Auf dem Foto vom Ironman New Zealand ist sie deutlich an meinem rechten Unterarm zu erkennen.

Bennie Lindberg und Stefan Hoilzner beim Ironman New Zealand 1994

Gemeinsam auf der Laufstrecke beim Ironman New Zealand 1994: links Bennie Lindberg mit der Manschette am rechten Arm, rechts Stefan Holzner. Bild: privat.

Gemeinsam beim Ironman New Zealand 1994

Nach fast drei Monaten Training in Neuseeland starteten wir beim Ironman. Für mich verlief das Rennen unter den gegebenen Umständen erstaunlich gut.

Nach einem für meine damaligen Ansprüche grottenschlechten Schwimmen arbeitete ich mich Schritt für Schritt nach vorne. Irgendwo nach etwa 120 Kilometern auf dem Rad holte ich Stefan ein.

Ich sagte zu ihm: „Fahr mit mir mit.“

Ich wusste schließlich, was wir in den vergangenen Monaten trainiert hatten. Da es sein erster Ironman war, vermutete ich, dass er sich nicht traute, schnell genug zu fahren.

Am Ende erreichten wir, soweit ich mich erinnere, als Vierter und Fünfter das Ziel. Stefan wurde offiziell Fünfter. Für mich war danach klar: Ich würde ihn weiter trainieren.

Der Anruf aus einer Telefonzelle auf Mallorca

Im folgenden Winter konnte ich es mir nicht mehr leisten, erneut so lange in Neuseeland zu trainieren. Stefan flog deshalb mit seiner Frau allein dorthin. Ich selbst bereitete mich auf den Balearen auf die Saison vor.

Den Abend des Ironman New Zealand 1995 werde ich nie vergessen.

Damals gab es kein WhatsApp, keine Liveübertragung auf dem Smartphone und keine Ergebnis-App. Ich stand auf Mallorca an einem Münztelefon und rief in Stefans Motel in Neuseeland an, um zu erfahren, wie das Rennen gelaufen war.

Stefan meldete sich.

Ich fragte: „Und, wie war es?“

Mit einem Lächeln in der Stimme antwortete er: „Ich habe gewonnen.“

Zuerst dachte ich, er wollte mich verarschen.

Aber es stimmte. Stefan Holzner hatte den Ironman New Zealand gewonnen.

Dieser Moment gehört bis heute zu den schönsten sportlichen Erfahrungen meines Lebens. Nicht, weil ich selbst auf einem Podium stand, sondern weil ein Athlet, mit dem ich gearbeitet hatte, etwas Außergewöhnliches erreicht hatte.

Aus einer zufälligen Begegnung in einem Trainingscamp war eine Zusammenarbeit geworden. Und aus dieser Zusammenarbeit entstand meine neue Berufung.

Viel Wissen – aber noch kein Berufstrainer

Obwohl ich 1995 bereits viel Wissen und praktische Erfahrung besaß, war ich noch kein ausgebildeter Berufstrainer.

Das holte ich im darauffolgenden Jahr nach, als es in Finnland erstmals möglich wurde, eine Berufstrainerausbildung zu absolvieren. Dort vertiefte ich nicht nur die physiologischen, trainingswissenschaftlichen und mentalen Grundlagen des Coachings. Ich lernte auch, was es praktisch bedeutet, Trainer als Beruf zu haben.

Viele wirtschaftliche Themen waren mir durch mein Studium des internationalen Marketings bereits vertraut. Nun ging es darum, dieses Wissen auf den Trainerberuf zu übertragen. Denn professionelles Coaching besteht nicht nur daraus, Athleten Trainingspläne zu schreiben oder Trainingseinheiten zu begleiten. Dazu gehören ebenso Kommunikation, Marketing, Buchführung, Versicherungen, Organisation und unternehmerische Verantwortung – wie in jedem anderen Beruf auch.

Meine C- und B-Trainerlizenzen sowie die Erfahrungen als Athlet hatten mir das fachliche Fundament gegeben. Die Berufstrainerausbildung half mir anschließend, aus Wissen, Erfahrung und Leidenschaft einen Beruf aufzubauen.

Dass ich einiges richtig gemacht haben muss, zeigt vielleicht die Tatsache, dass ich mehr als 30 Jahre später noch immer denselben Weg gehe.

Vom ersten Athleten zu mehr als 30 Jahren Triathlon Coaching

Die Geschichte mit Stefan Holzner war der Anfang. Seitdem durfte ich viele Athletinnen und Athleten auf sehr unterschiedlichen Wegen begleiten – vom ersten Triathlon bis zu deutschen, europäischen und internationalen Meistertiteln.

Einige der Athletinnen und Athleten, die ich gecoacht habe, wurden später selbst Trainer und gaben ihr Wissen und ihre Erfahrungen wiederum an andere weiter. Das empfinde ich als ein besonders schönes Kompliment.

Hinter diesen Ergebnissen stehen fast immer persönliche Geschichten. Und häufig sagen diese Geschichten mehr über Coaching aus als jede Liste mit Titeln und Platzierungen.

Coaching ist mehr als ein Trainingsplan

Natürlich geht es im Triathlon Coaching um Trainingsplanung, Belastungssteuerung, Technik, Diagnostik und Wettkampfstrategie. Doch langfristig entsteht eine erfolgreiche Zusammenarbeit vor allem durch Vertrauen, ehrliche Kommunikation und ein gemeinsames Verständnis des Weges.

Nicht jeder Athlet wird einen Ironman gewinnen oder sich für eine Weltmeisterschaft qualifizieren. Das muss auch nicht das Ziel sein.

Ein erster Triathlon, eine neue persönliche Bestzeit, ein schmerzfreier Trainingsaufbau oder der Mut, nach einem Rückschlag neu anzufangen, können für einen Menschen genauso bedeutend sein.

Ein Ziel ist ein Ziel.

Und wenn ich einen Athleten auf dem Weg dorthin begleiten darf, habe ich auch nach all diesen Jahren noch immer einen der schönsten Berufe, die ich mir vorstellen kann.

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33 Jahre später: Warum ich diesen Beruf noch immer liebe

Wie sehr ich meinen Beruf noch immer liebe, zeigte mir wieder der Montag nach dem Ironman 70.3 Erkner 2026.

Mein Athlet Jochen Damm hatte sich am Tag zuvor für die Ironman 70.3 Weltmeisterschaft qualifiziert. Er rief mich an und fragte, ob er mit seiner Familie kurz bei mir vorbeikommen könne.

„Klar“, sagte ich spontan. „Für so etwas habe ich immer Zeit.“

Jochen kennt mich gut – und weiß, dass ich Rotwein liebe. Deshalb brachte er einen Amarone della Valpolicella DOCG aus dem Jahr 2016 mit, im Barrique ausgebaut und mit drei Bicchieri des Gambero Rosso ausgezeichnet.

Wir öffneten die Flasche, stießen auf seinen Erfolg an und fachsimpelten über das Rennen, die Qualifikation und die Ziele für das kommende Jahr.

Ein Athlet erreicht ein großes Ziel, kommt anschließend mit seiner Familie vorbei und wir sitzen gemeinsam bei einem besonderen Glas Wein zusammen. Solche Momente kann man nicht in Watt, Herzfrequenz oder Trainingsstunden messen.

Sie zeigen aber, was Coaching für mich bedeutet.

Einfach geil.

Jochen Damm nach seiner Ironman-70.3-WM-Qualifikation

Jochen Damm nach seiner erfolgreichen Qualifikation für die Ironman 70.3 Weltmeisterschaft beim Ironman 70.3 Erkner 2026. Bild: privat.

Vom Münztelefon zum Smartphone – das Wesentliche bleibt

1995 stand ich an einem Münztelefon auf Mallorca und hörte aus einem Motel in Neuseeland die Worte: „Ich habe gewonnen.“

33 Jahre nach unserem ersten gemeinsamen Trainingscamp sitzt ein anderer Athlet mit seiner Familie bei mir, und wir stoßen auf seine WM-Qualifikation an.

Dazwischen liegen unzählige Trainingspläne, Wettkämpfe, Erfolge, Rückschläge und Gespräche. Die Technik hat sich verändert. Trainingsdaten werden heute in Echtzeit übertragen, und Athlet und Coach können jederzeit miteinander kommunizieren.

Das Wesentliche ist jedoch gleich geblieben.

Ein Trainer begleitet Menschen. Er versucht zu verstehen, was hinter Zahlen, Leistungen, Zweifeln und Erfolgen steckt. Er hilft bei Entscheidungen, gibt Halt, fordert heraus und freut sich ehrlich, wenn ein Athlet sein Ziel erreicht.

Was 1993 mit Stefan Holzner begann, erfüllt mich 33 Jahre später noch immer.

Genau deshalb liebe ich meinen Beruf als Triathlon Trainer.

Denn Coaching zeigt sich nicht nur in Trainingsplänen oder Ergebnislisten. Es zeigt sich in den Wegen, die Athleten und Trainer über viele Jahre gemeinsam gehen.

Wenn du wissen möchtest, wie ich heute als Triathlon Coach arbeite, findest du hier weitere Informationen: